Alle Schamlippen sind schön

Vor einiger Zeit habe ich in einem Online-Magazin unter der Rubrik “Gesundheit“ einen Artikel mit dem folgenden Titel gesehen: „Test: Sind deine Schamlippen normal oder zu groß?

Wenn ich solche Artikel sehe, kommt in mir Wut hoch. Als ob uns nicht genug gesagt wird, wie unsere Körper auszusehen haben. Jetzt wollen uns noch die Magazine freundlich zur Seite stehen, um uns dabei zu helfen festzustellen, ob unsere Schamlippen in das gesellschaftliche Konzept hinein passen oder ob sie doch zu groß (lies: hässlich) sind. Und leider haben in der Tat viele von uns Zweifeln und Hemmungen, wenn es um unsere Intimorgane geht.

Die im Jahr 2014 in Deutschland durchgeführte Befragung macht deutlich, wie tiefsitzend diese Komplexe bei Frauen sind:

  • 26% der befragten Frauen zwischen 16 und 64 Jahren gaben an, dass sie Ihren Schambereich als „nicht so schön“ wahrnehmen.
  • 23,1 % der Teilnehmerinnen hat ihre Vulva als „hässlich“ bezeichnet.
  • von den 106 Teilnehmerinnen hatten 9,6 % bereits eine Schamlippenkorrektur
  • 36,5 % denken über eine solche OP nach
  • und ACHTUNG: “lediglich bei 32,7 % der Frauen sind die inneren Schamlippen im Stehen vollständig von den äußeren Schamlippen verdeckt. Bei den übrigen 67,3 % Teilnehmerinnen ragen die inneren Schamlippen zwischen den äußeren hervor”. [1]

Die stetig steigenden Zahlen der Intimoperationen zeigen, dass Frauen sich öfter und öfter für die Schönheit (also künstlich konstruierte und aufgezwungene Schönheit!) unters Messer legen:

  • Im Jahr 2005, haben sich in Deutschland ca. 1.000 Frauen eine Schamlippenkorrektur machen lassen.
  • Im Jahr 2011 waren es schon 5.440 Frauen. [2]

Diese Zweifel sind eine Goldgrube für viele Schönheitschirurgen, weil sie diese für ihren eigenen Profit geschickt zu nutzen wissen. Laut Anna-Katharina Meßmer, die in dem Bereich ihre Doktorarbeit geschrieben hat, werben die Ärzte häufig für die OPs damit,

dass Partnerschaften aufgrund von zu großen Labien oder zu weiten Vaginen auseinandergehen könnten. Entweder weil der Sex nicht gut funktioniere, oder weil die Frau so unzufrieden mit sich selbst sei, dass sie sich deswegen nicht auf ihren Partner einlassen könne. Einzelne Ärzte boten auch an, die Vagina der Frau an die Gegebenheiten ihres Partners anzupassen. [3]

Die Akzeptanz und Liebe für den eigenen Körper beginnen als allererstes im eigenen Kopf und nicht auf dem OP-Tisch.

Bitte, was? ANZUPASSEN?!

Liebe Leserin, bitte liebe dich und deine Intimorgane so, wie sie sind!

Das, was man in Pornos und sonstigen pornografischen sowie erotischen Quellen zu sehen bekommt, ist ein sorgfältig ausgesuchtes und meistens auch retuschiertes Bild, das nur einen winzigen Teil unserer weiblichen Vielfalt darstellt.

Wenn du Lust auf faszinierende weibliche Diversität hast, geh auf https://www.thevulvagallery.com/ und schau dir die mit Liebe gemalten Vulven aller Formen, Farben und Größen an. Die Besitzerinnen der auf der Website dargestellten Vulven eilen auch ihre Geschichten über ihr Verhältnis zu ihren Geschlechtsorganen (auf Englisch).

Tauche also in die Welt der faszinierenden weiblichen Vielfalt ein und lass dich inspirieren.

Und denk daran, dass unsere Probleme oft unsere eigenen Kreationen sind. Wir haben bestimmte Eigenschafen u. Ä. zu Problemen gemacht und ihnen somit die Macht gegeben, unser Leben miserabel zu machen (wenn sich z. B. eine Frau auf ihren Partner nicht einlassen kann, weil sie ihren Körper nicht mag). Es liegt also auch in unserer Hand, diese „Probleme“ zu überdenken, sie als unsere eigene Schöpfung zu entlarven und somit  auch zu entmachten.

Hier kennst du einen Artikel von einer jungen Frau lesen, die sich für eine Schammlippenverkleinerung entschieden hat und den Eingriff heute bitter bereut. Ihre eigene Mutter sowie einige Männer in ihrem Leben haben ihr den Eindruck gegeben, als wäre sie unten drum nicht richtig und nicht schön gewesen. Als Folge ihrer abwertenden Kommentare entwickelte die junge Frau einen tief sitzenden Komplex, den sie mit Hilfe einer Schönheits-OP beheben wollte. Als sie aber auf dem OP-Tisch lag und ihr “die Flügelchen” weggemacht wurden, schoss ihr folgender Gedanke durch den Kopf : “Wofür mache ich den Mist hier eigentlich?“.

Und ja, das frage ich mich auch. Wofür machen wir den Mist eigentlich? Warum verschwenden wir unsere wertvolle Zeit damit, unsere eigenen Körper zu hassen und verändern zu wollen? Warum stecken wir ein Haufen Geld in Anti-Cellulite-Cremes, Schönheits-OPs oder Wimpernverlängerungen, anstatt sie in etwas wirklich Sinnvolles zu investieren?

Ich bin hier, um dir zu sagen, dass in den allermeisten Fällen solch eine OP absolut unnötig ist. Nur wenn deine Schamlippen dir ständig Schmerzen bereiten, könnte ein Eingriff eventuell sinvoll sein. Ansonsten…SETZE EIN ZEICHEN GEGEN DEN ALLGEGENWÄRTIGEN SCHÖNHEITSWAHN, DER UNS ALLE KLEIN HÄLT, UND LIEBE DICH SO, WIE DU BIST, DENN DU BIST EINZIGARTIG! <3

p.s.
Übrigens, weißt du, wie deine Vulva aussieht? Hast du sie schon mal im Spiegel betrachtet? Tue das mal 😉

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Bildquelle: gratisography.com

[1] Umfrageergebnisse Intimbereich und Intimchirurgie

[2] Aktuelle Zahlen & Studien zur Intimchirurgie

[3] Warum Frauen untenrum aussehen wollen wie “Brötchen”

Arbeite zusammen MIT deinem Körper und nicht gegen ihn
Schönheit liegt in der Vielfalt

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