Willst du deinen Körper lieben lernen? Zieh dich aus!

Wanna love your body? GET NACKED, babe!

Ich habe vor kurzem festgestellt, dass Nacktheit unser Weg zu einem positiven Körperbild ist. Es ist sicherlich nicht der einziger Weg, aber einer von diesen kleinen Wegen, die wir nehmen können, um unserem Körper näher zu kommen und ihm mehr Akzeptanz zu schenken.  Hier möchte ich mit dir meine Erfahrungen zu diesem Thema teilen (alles ist also selbst erprobt und angewendet) 😉

Warum fange ich hier aber an über Nacktheit zu reden? Was hat das denn mit dem Körperbild zu tun? Ja, sehr viel, wenn nicht alles. Denn je wohler und freier du dich in deinem nackten Körper fühlst, desto verbundener bist du mit ihm, desto mehr Vertrauen hast du in ihn und desto selbstbewusster kannst du in der Welt auftreten (und das hat nichts mit deinem Aussehen oder mit der äußeren Form deines Körpers zu tun.  Du wirst Selbstbewusstsein und Harmonie ausstrahlen, weil du diese in deinem Inneren trägst).

Hier sind also 4 Schritte, die du anwenden kannst, um mehr Verbindung zu deinem Körper zu schaffen und ihn mehr zu akzeptieren.

Schritt 1: SCHLAFE NACKT

Das ist einer der einfachsten Wege, um mehr Nacktheit in dein Leben zu bringen. Das kostet dicheine Zeit und erfordert keine sonderlichen Bestrebungen. gentlich musst du gar nichts tun. Zieh dich also aus und geh schlafen. Fertig. So wirst du dich mehr und mehr an deinen nackten Körper gewöhnen können, ohne dass es zu herausfordernd oder zu unangenehm wird. Die Wissenschaftler*innen sagen außerdem, dass dein Körpersser die Temperatur regulieren kann, was dazu führt, dass du einen besseren Schlaf hast. Wenn du morgens etwas Zeit hast, dann bleibe zwei-drei Minuten im Bett und lasse deine Hände liebevoll über deinen Körper streicheln. Danach steh auf und mach entweder Schritt 2 oder Schritt 3, oder beides (du kannst sie auch getrennt voneinander durchführen)

An dieser Stelle eine wichtige Bemerkung:
Es kann etwas dauern, bis du dich bereit fühlst, zu den weiteren Schritten überzugehen. Das ist okay. Setze dich nicht unter Druck. Wir sind hier, um eine liebevolle Verbindung zu unserem Körper herzustellen, die nur durch LIEBE und GEDULD  – also nicht durch Zwang, Kontrolle, Hass oder Ablehnung  – zustande kommen kann. Erinnere dich also immer wieder daran, dich wie deine beste Freundin zu behandeln. Und wenn du nur ein paar Sekunden beim Schritt zwei oder drei schaffst, ist es schon gut und definitiv auch wert, es zu feiern.

Schritt 2: SPIEGELÜBUNG / MIRROR WORK

Wenn du diese Methode schon mal ausprobiert hast und der Meinung bist, dass sie nutzlos ist, möchte ich dir sagen, dass zweimal Ausprobieren nicht ausreicht. Die Spiegelübung ist wirklich kraftvoll und kann sehr gute Ergebnisse liefern. Sie muss jedoch regelmäßig und über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.

Anleitung:

  • Finde einen Raum, wo du in Ruhe und ungestört mindestens fünf Minuten bleiben kannst. Schaffe dir eine schöne Atmosphäre. Abends rate ich dir, ein paar Duftkerzen anzuzünden. Wenn du magst, kannst du auch schöne Musik im Hintergrund laufen lassen.
  • Stell dich vor den Spiegel. Je größer der Spiegel ist, desto besser.
  • Zieh dich nackt aus. Wenn es dir zu viel ist, zieh so viele Sachen aus, wie es für dich geht.
  • Jetzt nimm dir Zeit und betrachte dich im Spiegel.
  • Lasse deinen Blick über deinen Körper wandern. Keine Beurteilungen. Nehme dich einfach wahr. Bemerke auch die Gefühle, die in dir hochkommen.
  • Sage dir liebevolle Sachen, wie zum Beispiel: „ich bin genug, so wie ich bin“, „ich akzeptiere meinen Körper“. Alternativ kannst du auch Sätze sagen, wie: „So sieht eine selbstbewusste, sich liebende und wertschätzende Frau aus“. Finde eine oder mehrere Affirmationen, die am meisten mit dir harmonieren und wiederhole diese mehrmals.
  • Wenn möglich, bleibe fünf bis zehn Minuten vor dem Spiegel. Wenn es dich überfordert, erlaube dir, diese Zeit zu kürzen.
  • Mache diese Übung jeden Tag innerhalb von 14 Tagen. Sieh, was geschieht.

Schritt 3: TANZE NACKT

Wenn du dich mehr oder weniger wohl in deinem Körper fühlst, probiere diese tolle Aktivität: Tanze einfach nackt vor dem Spiegel (oder auch ohne Spiegel, wenn es sich für dich besser anfühlt)! Es geht dabei nicht darum, jemanden zu beeindrucken oder etwas Umhauendes zu performen. Nein, entspann dich. Du machst es nur für dich. Bewege deinen Körper, spring rum, mache lustige Moves und hab ganz viel Spaß! Zelebriere deinen Körper. Das wird dich nicht nur deinem Körper näherbringe, sondern dich aucholl mit Energie, Kraft und positiven Vibes tanken.

Schritt 4: FKK, SAUNA

Das ist die Idee für Fortgeschrittene. Verlasse die bunte aber so bedrückende Instagram-Welt und gehe zu einem FKK-Strand.  Lasse deinen Körper von Wasser, Wind und Sonne verwöhnen. Werde mit deiner Nacktheit vertraut. Schaue dich um und sehe die Unschuld, Schönheit und diese bezaubernde Natürlichkeit des echten menschlichen Körpers.  Das ist wirklich etwas ganz Besonderes, denn in unserer heutigen Welt wird der Körper als unvollkommen und veränderungsbedürftig angesehen.

p.s.

Bevor ich mit diesem Artikel anfing, wollte ich mich im Internet zum Thema der nackte Körper“ umschauen. Dabei stieß ich schnell auf diesen Artikel. er Titel war vielversprechend, der Inhalt dagegen absolut enttäuschend.  Denn in diesem Artikel wurden folgende Ratschläge gegeben (es folgt eine kurze Zusammenfassung):ache Sport, wende Pilling an, rasiere dich, trage strategisch einen Selbstbräuner auf, benutze Körperlotion mit einem schimmernden Effekt, wechsle die Glühbirne und streiche die Wände in deinem Schlafzimmer neu, trage etwas Schminke auf, zieh dir Hochschuhe an, vergiss nicht die coolen Ohrringe und….hör auf, dich verrück zu machen.“

Sorry, aber so etwas kann ich echt nicht ernst nehmen. Für mich sind das Tipps, die helfen können, noch verrückter und unzufriedener mit dem eigenen Körper zu werden.  Bitte, lasse dich nicht von solchen „genialen“ Ideen bzw. schnellen Lösungen verführen.  Ich bin ehrlich mit dir: Es gibt keinen schnellen Weg in die Selbstliebe und Körperakzeptanz und es gibt keine Wunderpille, die von heute auf morgen dein Verhältnis zu deinem Körper verändern kann. Das erreichst du nur, wenn du dich bewusst dafür entscheidest und Tag für Tag daran arbeitest. Die Früchte, die diese Arbeit mit sich bringen wird, sind all deine Mühe wert, glaub mir.

Was für ein Verhältnis hast du zu deinem nackten Körper? Teile es gerne in den Kommentaren.


Bildquelle: Pexels.com

Wie du (d)eine Diät-Mentalität erkennen kannst

Hast du die Vermutung, dass du in einer Diät-Mentalität stecken könntest? Anhand der unten aufgeführten Beispiele wirst du deine Diät-Mentalität erkennen und hinterfragen können.

Was ist denn genau eine Diät-Mentalität? Das ist eine Lebenseinstellung, die tiefe Wurzeln hat und das Leben eines Menschen täglich beeinflusst. Eine Person, die in einer Diät-Mentalität gefangen ist, beschäftigt sich andauernd damit, das eigene Leben nach vielen rigiden Regeln zu gestalten. Das Ziel ist es, abzunehmen oder nicht zuzunehmen.  Im Grunde genommen dreht sich alles nur um das eigene Gewicht und um das Aussehen des eigenen Körpers. Viel Zeit und viel Energie wird darauf verwendet, sich Gedanken um das eigene Gewicht zu machen und Strategien dafür zu suchen, es zu halten oder zu reduzieren.

Die Menschen, die in einer Diät-Mentalität stecken, sehen es meistens nicht oder wollen es lange nicht akzeptieren. Je früher du jedoch deine Diät-Mentalität erkennst und dir eingestehst, desto früher kannst du anfangen dein Verhältnis zum Essen und zu deinem Körper positiv zu verändern.

Hier gebe ich dir einige ganz konkrete Beispiele anhand derer du feststellen kannst, ob du in einer Diät-Mentalität gefangen bist und wenn ja, wie tief du darin steckst. Die Beispiele aus der rechten Spalte werden dir zeigen, wie entspannt und angenehm dein Leben ohne Diät-Mentalität aussehen könnte.

 

DIÄT-MENTALITÄT und ABLEHNUNG des EIGENEN KÖRPERS INTUITIVES ESSEN + VERBINDUNG zum eigenen KÖRPER + SELBSTLIEBE
Salat ist gut, also wenn ich einen Salat esse, bin ich gut. Schokolade ist schlecht, also wenn ich Schokolade esse (=sündige), bin ich schlecht.Es gibt kein gutes und kein schlechtes Essen. Mein Wert als Mensch hat nichts damit zu tun, was ich zu mir nehme.
Ich habe schon diesen einen Keks gegessen, jetzt ist meine Diät sowieso am Arsch, also esse ich weitere 20 Kekse!Ich aß diesen einen Keks und genoss ihn sehr. Möchte ich einen weiteren Keks? Was sagt mir mein Körper?
Wenn ich etwas von diesem „verbotenen“ Produkt esse, werde ich nicht aufhören können, also vermeide ich es komplett.Ich darf alles essen, denn je mehr ich mir etwas verbiete, desto größer wird mein Verlangen danach sein. Ich habe ein ganz entspanntes Verhältnis zum Essen.
Es ist ungesund, ich darf das nicht essen!Ich darf alles essen, es geht lediglich um die Menge. Ich vertraue meinem Körper und verlasse mich auf seine Weisheit.
Nachdem ich DAS esse, muss ich für mindestens eine Stunde aufs Laufband oder heute auf mein Abendbrot verzichten.Ich darf das genießen, ohne es mit Sport oder Verzicht auf Abendbrot zu kompensieren. Genuss ist ein wichtiger Teil meines Lebens.
Dort wird höchstwahrscheinlich gegessen. Ich glaube, ich sage am besten ab und bleibe zu Hause!Ich freue mich auf spannende Gespräche und auf selbstgekochtes Essen. Ich werde so viel oder so wenig essen, wie ich möchte. Kein Druck.
Ich habe Hunger, aber es ist schon zu spät, um zu essen. Ich esse morgen.Ich habe Hunger, also esse ich.
Ich habe Hunger, obwohl ich erst vor kurzem gegessen habe! Ich muss noch mind. zwei Stunden warten, bis ich wieder etwas essen darf.Ich habe wieder Hunger? Okay, anscheinend braucht mein Körper heute etwas mehr, um gut zu funktionieren. Ich esse jetzt wieder etwas.
Wo sind die Fitspo-Bilder? Ich muss mich inspirieren lassen, damit ich weniger fresse und endlich mal mehr Sport mache! Ich will schließlich irgendwann genau so schlank und sportlich aussehen, wie die Frauen auf diesen Bildern. Keine Fitspo-Bilder mehr für mich, danke. Sie versauen meine Laune, bedrücken mich und zerstören mein Selbstwertgefühl. Wo sind all die Frauen aus der Body-Positivity-Bewegung auf Instagram? Ihnen folge ich, denn sie inspirieren mich und zeigen mir, was bedingungslose Selbstannahme ist.
Welche sportliche Aktivität verbrennt am meisten Kalorien?Welche sportliche Aktivität/Art von Bewegung macht mir am meisten Spaß und vertieft meine Verbindung zu meinem Körper?
Oh nein, ich habe 300 Gramm zugenommen! Wie schrecklich und ekelhaft! Was für eine Versagerin bin ich!Wie viel ich wiege? Keine Ahnung, interessiert mich nicht. Meine Waage ist schon längst im Keller, denn ich lasse es nicht zu, dass ein lebloses Objekt meinen Wert bestimmt und meine Laune beeinflusst.
Diese WG-Party hat mir meinen ganzen Ernährungsplan versaut! Wow, das war ja eine lustige WG-Party! So tolle Leute, so ein gutes Essen!

Habe ich etwas vergessen? Wie können wir darüber hinaus eine Diät-Mentalität erkennen? Lasse mich das gerne in den Kommentaren wissen! 

Vorher-Nachher-Geschichte, diesmal aber anders

Warum ich meine Vorher-Nachher-Geschichte mit der Welt teilen möchte

Normalerweise findet man im Internet Fotos, die umgekehrt platziert sind: von einem korpulenten zu einem mageren Körper. Und dies soll als ein großer Gewinn und eine bewundernswerte Leistung angesehen werden, die von allen gefeiert wird.  Ich möchte aber das vertraute Szenario umdrehen und einen fülligeren Körper zelebrieren. Ich möchte den gängigen Mythos zerstören, dass ein schlanker Körper Glück, Liebe, Anerkennung, mehr Selbstbewusstsein, unendliche Freude und Freiheit mit sich bringt. Ich möchte den Glaubenssatz, dass dünner gleich wertvoller bedeutet, für immer beseitigen.  Und als Allerwichtigstes möchte ich mit Hilfe meiner eigenen Geschichte die grausame Wahrheit über den Abnehm-Wahn unserer Gesellschaft erzählen und das Leiden dahinter zeigen.

Auf dem Bild links bin ich 15 Jahre alt. Mein Gewicht war damals nicht das natürliche Gewicht eines pubertierenden Mädchens, sondern das Ergebnis einer neuen Lebensweise, an die ich mich entschlossen/unnachgiebig und mit einer fast militärischen Disziplin ein Jahr lang hielt. Mein Leben bestand aus einer sehr, sehr strickten Diät (nichts Gebratenes, nichts Süßes, Minimum an Kalorien) und aus täglichem Sport. Zu der Entscheidung, mein Leben komplett umzustellen, kam ich, weil ich mich damals für fett und ekelhaft hielt. So machte ich Sport, hielt ohne Wenn und Aber meine Diät ein und nahm mehr und mehr ab. Es fiel mir damals nicht schwer, mich an diese Diät zu halten, denn die erste Diät ist immer die leichteste. Mein Plan funktionierte so „gut“, dass nach einem Jahr alle um mich herum um meine Gewichtreduktion besorgt waren, nur ich nicht. Die Kommentare, dass ich zu dünn sei und aufpassen müsse, ärgerten mich gewaltig.  Ich dachte, sie spinnen wohl, denn ich schaute in den Spiegel und sah dort Fett ohne Ende.

Mit dieser Diät fing ein neuer Abschnitt in meinem Leben an, der statt erhoffter Freude und Selbstbewusstsein, nur ein dauerhaftes Leiden mit sich brachte.

Wie ich im Abnehmsumpf stecken geblieben bin

Nach einem Jahr lockerte ich meine Diät ein wenig, zählte aber weiterhin Kalorien und machte viel Sport. Es fiel mir immer schwieriger, mich von „verbotenen“ Produkten fernzuhalten. Mit 18 fing ich zum ersten Mal zu  bingen. Ich aß alles, was zu Hause war: Erstmal etwas Herzhaftes, dann etwas Süßes, dann sofort wieder etwas Herzhaftes usw. bis ich irgendwann pappsatt war. Ich stopfte mich voll mit Schokolade und fühlte mich dabei wie eine Verbrecherin. Am nächsten Tag trank ich nur Kefir, um keinesfalls zuzunehmen. So ging es circa zwei Jahre lang. Dann sind meine Binges noch schlimmer geworden. Ich ging extra in den nahen Supermarkt, kaufte mir Berge an Süßkram, ging nach Hause, versteckte mich vor allen und fraß das alles weg. Danach lag ich auf meinem Bett und konnte mich kaum bewegen, weil mein Magen beinahe platzte und sehr schmerzte.  In diesen Momenten hasste ich mich so sehr! Ich hielt mich für eine Versagerin, für einen absolut wertlosen, nutzlosen, schwachen und ekelhaften Menschen.  Ich schwor, dass ich nächstes Mal, wenn der Drang zu Bingen wieder hochkommt, einfach nicht einkaufen gehen würde, und bin dann immer wieder gegangen. In meiner schlimmsten Phase, als mich Liebeskummer in einem fremden Land quälte, kam es bis zu fünf Mal die Woche zu solchen Binge-Attacken. Ich litt an einer Essstörung, erzählte aber niemanden davon, denn ich war fest davon überzeugt, dass es lediglich an meiner schwachen Disziplin lag und dass ich sie in den Griff hätte bekommen müssen. Außerdem dachte ich, dass ich ein ganz normales Verhältnis zum Essen hatte und dass ich Diäten eigentlich ablehnte (ha-ha).

So ging es bis ich 25 wurde. Ich verschwendete so viel Energie damit, Kalorien zu zählen, mir Gedanken darüber zu machen, was ich esse und welche Übungen ich machen soll, wie ich am besten abnehmen kann und wie ich die gesellschaftlichen Situationen vermeiden kann, in denen gemeinsam gegessen wird. In meinem Leben drehte sich alles ums Essen und ums mein Gewicht. Meine Laune war davon abhängig, welche Zahl mir die Waage zeigte, und diese prüfte ich mehrmals am Tag. Mein Leben war absolut miserabel und das alles nur weil ich mich an einen gefährlichen aber so vertrauten Traum fest hielt: Ich wollte einen anderen Körper haben.

Die Wurzel des Problems lag in der Kindheit
(und den Ausweg daraus bot mit unsere Abnehm-Kultur an)

Jetzt verstehe ich, dass mein Abnehm-Wahn, auch wie der Abnehm-Wahn vieler anderer Menschen, nichts mit dem Körper an sich zu tun hatte. Mit einem anderen, schlankeren und strafferen Körper verband ich eins: mehr Liebe. Als Kind hatte ich einen erheblichen Mangel an Liebe, Akzeptanz und Zugehörigkeit erfahren, weil meine Familie von einer Tragödie erschüttert wurde, als ich sieben Jahre alt war. Mein älterer Bruder wurde zusammen mit seinem besten Freund grausam ermordet. In diesem Moment endete meine Kindheit. Meine laute, wilde, lustige und selbstbewusste Seite musste ich aufgeben. Ich wurde still, verständnisvoll, unendlich empathisch und anpassungsfähig. Die Erinnerungen, die ich über die nächsten sieben Jahre habe, sind sehr begrenzt und verschwommen. Meine Mama war kurz davor, sich das Leben zu nehmen, und verbrachte viel Zeit in Kliniken. Ihr Schmerz war so groß und so überwältigend, dass sie mich mehrmals mit meinem Bruder verglichen hat, allerdings nie zu meinen Gunsten. So wuchs ich im tiefen Glauben auf, dass ich nicht gut genug, nicht liebeswert und eigentlich einfach nur Scheiße war.

Meine Abnehmstrategie war ein verzweifelter Versuch durch einen anderen, gesellschaftlich gefeierten Körper mehr Aufmerksamkeit, mehr Bestätigung und somit mehr Liebe in mein Leben zu holen (und das ist genau die Täuschung, die fleißig verbreitet wird und auf die so viele von uns reinfallen). Außerdem vermute ich, dass ich mich so viele Jahre ohnmächtig und der Situation ausgeliefert fühlte, dass ich endlich mal Kontrolle über etwas haben wollte. So kam es also dazu, dass ich mit dem Abnehmen begann.

Meine späteren Binge-Attacken waren das Ergebnis meine Diäterfahrungen und meiner ausgeprägten Diätmentalität. Die Binge-Attacken erfüllten jedoch zwei weitere Funktionen: Sie spendeten mir Trost und gleichzeitig untermauerten sie immer wieder aufs Neue meinen Glaubenssatz, dass ich wertlos und armselig war. Und ja, wie ihr seht, habe ich zugenommen. Ein großer Teil dieses Gewichts ist das Ergebnis meiner Diät-Binge-Dynamik (auf dem zweiten Bild habe ich ca. 13 kg mehr drauf).

Puh.

Schluss mit dem Diätenwahn!

An einem Tag musste ich mir eingestehen, dass ich ein tiefsitzendes Problem hatte und dass ich so nicht mehr weiterleben wollte. Ich habe endlich realisiert, das mir meine Jagd nach einem „besseren“ Körper nichts außer Leid und Selbsthass brachte und mich in eine Essstörung trieb. So traf ich die Entscheidung, dass ich mein Verhältnis zum Essen und zu meinem Körper heilen möchte. Dafür musste ich den Traum an einen anderen Körper aufgeben und lernen, meinen Körper genauso zu akzeptieren, wie er war. Der neue Weg war kompromisslos. Ich sagte immer wieder zu mir selbst: „Wenn mein Körper so bleiben will, wie er jetzt ist, dann ist es so. Wenn er zunimmt, dann ist es so.“ Es ging nicht mehr ums Aussehen, sondern um den seelischen Frieden.

Aus diesem ganzen Wahn auszubrechen kostete mich viel Zeit und Energie. Und auch jetzt wenn ich nicht mehr binge und mich liebevoll behandle, arbeite ich immer noch daran, meine Diätmentalität vollständig zu eliminieren. Und ich merke, wie tief sich manche Muster in mich eingeprägt haben und wie viel Achtsamkeit es erfordert, mit ihnen umzugehen. Das Leben ist aber viel schöner und viel entspannter geworden, seitdem ich die Jagd nach einem „perfekten“ Körper aufgab. Dieser Traum hat mein Leben miserabel gemacht und mein Verhältnis zum Essen und zu meinem Körper komplett zerstört. Jetzt arbeite ich daran, dieses Verhältnis wieder aufzubauen, und ich bin auf einem sehr guten Weg. Ich lernte auch, dass die Hoffnung daran, dass uns ein neuer Körper ein besseres und erfüllteres ermöglichen wird, ein großer Trugschluss ist.

Dieses Leben müssen wir selbst aufbauen, und zwar JETZT, mit dem Körper, den wir haben. Denn es geht nicht um den Körper. Es geht um UNS, unsere reiche Innerwelt, unsere  Mitmenschen, unsere Stärken, Talente, Träume, Ziele und schlussendlich um unsere Mission auf dieser Welt. All das zählt, und nicht der „perfekte“ Körper.

Hier sind die wichtigsten Lehren, die mir meine Vorher-Nachher-Geschichte beigebracht hat:

  1. Bei der Jagd nach einem „besseren“ Körper geht es in den meisten Fällen nicht um den Körper an sich. Ein anderer Körper ist das Versprechen für ein anderes Leben, ein anderes bzw. „besseres“ ICH.
  2. Wir sind nicht daran schuld, dass wir uns nicht an Diäten und Essverbote halten können. Diäten sind schuld, weil sie bestimmte Mechanismen in unserem Körper in den Gang setzen, durch die unser Körper sich zu schützen und sich die Nahrung zu holen versucht, die ihm weggenommen wird.
  3. Diäten funktionieren nicht. Ca. 96% aller Menschen, die abnehmen, bekommen ihr Gewicht innerhalb von einigen Monaten oder Jahren zurück (und viele nehmen mehr zu, als sie abgenommen haben).
  4. Diäten bringen uns bei, dass wir uns und unserem Körper nicht vertrauen dürfen.
  5. Diät ist der beste und sicherste Weg in eine Essstörung.
  6. Essstörungen sind sehr schwer zu heilen.
  7. Essstörungen sind Krankheiten, die ent-tabuisiert und ent-schämt werden sollten. Wir brauchen viel mehr Offenheit im Umgang mit ihnen.
  8. Essprobleme haben oft tiefe Wurzeln und haben wenig mit Essen zu tun, sondern viel mehr mit den Herausforderungen und Widersprüchen der Außenwelt sowie mit unserer inneren Welt.
  9. Unser Körper ist der Experte. Es weiß ganz genau, was er braucht und wie viel davon. Wir sollen ihm einfach zuhören und uns seiner Weisheit anvertrauen.

Wo steht ihr gerade in Bezug auf euren Körper, Essen und Selbstliebe? Wie sah eurer Weg aus? Teil das gerne in den Kommentaren! <3

Warum die grauen Haare nicht einfach lieben lernen?

Gastbeitrag von Natalie.

Ja, das erste graue Haar hatte ich tatsächlich schon mit Mitte 20. “Reiß es sofort raus!” Hab ich zu meiner Schwester gesagt, als sie mir ihre Entdeckung auf meinem Kopf kund tat. Und so ging es die nächsten Jahre. Jedes neu entdeckte graue Haar wurde sofort entfernt. Irgendwann war diese Vorgehensweise kontraproduktiv, da eine Halbglatze durch bewusstes Haare ausreißen nicht unbedingt attraktiver ist. Ab da stieg ich aufs Färben um.

Und hatte lange meine Ruhe, so meinte ich es zumindest.

Was tun wir da eigentlich, liebe Frauen?

Warum können wir nicht einfach zu den Veränderungen unseres Körpers und zu den äußeren Anzeichen dafür, dass wir ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben, stehen? Warum müssen wir mit 40 aussehen wie mit 15 oder 20? Wozu der ganze Druck?

Wollen wir auch genauso denken, fühlen und handeln wie mit 15 oder 20? Sorry, ich definitiv nicht. Meine Gedanken kreisten ständig darum, ob ich gut genug bin, ob ich “ankomme“, vor allem beim anderen Geschlecht. Ich hatte vorgefertigte Meinungen über das Leben und darüber wie Dinge zu sein haben. Ich habe andere oft verurteilt, aber am meisten mich selbst. Ich war verunsichert, wenn mich Leute nicht mochten, vor allem Männer. Ich konnte keine länger dauernde Beziehung eingehen. Ich habe meinen Körper mit Diäten, Kalorienzählen und Sportprogrammen kasteit.

Klar, ich war nicht so nachdenklich und ich war risikofreudiger als heute. Ich habe mehr den Moment gelebt. Aber das ist etwas, das man auch wieder lernen kann! Sogar mit 40.

Die Wende

Meine Ignoranz des „grauen Anteils“ auf meinem Kopf hat irgendwann eine Wendung genommen. Eine Frau, die ich vor einigen Jahren kennenlernte, sie war jünger als ich, hatte noch viel mehr graue Haare und färbte sie einfach nicht. Unerhört! Das kann doch nicht sein! In dem Alter muss man die doch noch färben! Sie ist sonst so hübsch, wieso färbt sie sie nicht? Ich verstand es einfach nicht.

Mit der Zeit fielen mir noch viel mehr Frauen auf, die die Haare nicht färbten. Attraktive Frauen.

Und irgendwann fand ich graue Haare sogar schön.

Ich habe tatsächlich über ein Jahr ohne Färben gelebt und es war gar nicht schlimm. Im Frühjahr hab ich mir ein paar blonde Strähnen gemacht, die mit den grauen Haaren hervorragend harmonieren. Und dass die schon wieder herauswachsen und wieder mehr graue offenlegen, macht mir komischerweise gar nichts mehr aus. Der Druck, alles zu verstecken, ist einfach weg.

Schritt für Schritt….

Warum diese Angst?

Warum haben wir diese Angst vor dem Älterwerden überhaupt?

Nicht nur die grauen Haare, auch die Falten, die wir bekommen, unsere Figur, die sich verändert, und vieles mehr. All das sind doch Zeugen der Erfahrungen, die wir gemacht haben. Und hoffentlich der Weisheit, die wir erworben haben.

Wenn wir uns äusserlich „ausradieren“, hinterlässt dass denn auch innerlich Spuren?

Ich finde, unsere Kultur und die Entwicklungen der letztem Jahrzehnte tragen sehr viel dazu bei, dass wir uns so fühlen. Wir müssen unseren momentanen Zustand immer wieder optimieren oder verändern, statt das anzunehmen, was in dieser oder jener Phase gerade da ist.

Wir haben z.B. unsere Periode und fühlen uns schlecht, weil wir Schmerzen haben, uns kraftlos und müde fühlen und trotzdem funktionieren müssen, statt diese Zeit als Rückzug in unsere Innenwelt zu nutzen und wieder neue Energie zu sammeln. Gerade unser weiblicher Zyklus zeigt uns sehr deutlich, dass wir einen Rhythmus haben, dass wir nicht immer gleich funktionieren können, als ob wir eine Maschine wären. Wir Frauen leben diesen Rhythmus schon sehr lange nicht mehr.

Wenn wir es täten, dann würden wir feststellen, ebenso wie in früheren naturnäheren Kulturen, dass wir nicht nur einen monatlichen Zyklus habe, sondern unser ganzes Leben zyklisch ist, es verläuft in Phasen. Jede dieser Phasen hat ihre eigenen Themen, auf die wir unsere Aufmerksamkeit legen könnten. Mit 40 lebe ich in einer anderen Phase, als mit 20 oder mit 60. Das Leben verlangt andere Schwerpunkte. Lassen wir diese Entwicklung zu? Oder verleugnen wir sie, indem wir so tun, als würden wir noch einer anderen Phase leben?

Auch die Gewichtung der Figur hat exorbitante Ausmasse angenommen. Egal ob es um Sportprogramme oder Ernährung bzw. Nahrungsergänzung geht: Die Figur, das Aussehen steht oftmals im Vordergrund, nicht die Gesundheit oder der Spass oder die Energie. „Selbstoptimierun“ bzw. „Körperoptimierung“ ist der Lebensinhalt vieler Frauen (und inzwischen auch vieler Männer) geworden. Das Ideal von aussen wird so geschickt in Werbung und Filme verpackt, so dass wir irgendwann meinen, es wäre unser eigenes Ideal. Wir haben vielleicht eine weibliche Figur, sollen aber bitte aussehen wie junge, noch nicht geschlechtsreife Mädchen. Viele haben Kinder geboren und die Figur muss trotzdem schnellstmöglich wieder top sein.

Wir sind so sehr auf das Aussen konzentriert, dass das Innen, das Spirituelle, die Weisheit, unsere Seele, unser innerster Kern und vieles andere auf der Strecke bleiben. Und noch viel wichtiger: Wir merken gar nicht, dass wir das Leben und die Ideale anderer Menschen oder sogar einer ganzen Industrie leben, die nicht unbedingt unser Wohl im Kopf haben.

Die gute Nachricht

Aber, hier kommt die gute Nachricht: Es gibt immer mehr Frauen, die zu sich stehen. Die ihre Falten, ihre Speckröllchen, ihre grauen Haare sogar lieben. Die nicht jede kleinste Spur von sichtbar gewordener Lebenserfahrung ausradieren wollen. Es geht nicht darum, dass wir ein oder zwei kleine „Makel“ an uns nicht mögen und vielleicht korrigieren (z.B. mit Make-up oder Haare färben). Es geht darum, dass wir die innerliche Panik ablegen, dass Älterwerden an sich ein Makel ist und wir ihn so lange wie möglich herauszögern müssen. Eine Panik, die uns am wirklichen Leben hindern kann. Eine Panik, die uns blind macht für all die Schönheiten, Abenteuer und Überraschungen auf dieser wunderschönen Erde, die entdeckt und erforscht werden möchten. Dinge, in denen wir aufgehen können, die unser Herz berühren, die uns begeistern und mitreissen. Das Gefühl im „Flow“ zu sein, im Fluss des Lebens.

Das Älterwerden macht mir keine Angst mehr, ich freue mich darauf. Ich habe so viele faszinierende Dinge entdeckt, die ich erforschen will, die mich begeistern. In mir selbst und in der Welt um mich herum.

Ich habe keine Zeit mehr, die grauen Haare zu zählen.

Aber ich gebe zu, es ist auch ein Weg mit Ups and Downs. Ich fühle nicht jeden Tag diese Selbstliebe. Manchmal falle ich in die alten Muster zurück. Glücklicherweise fällt es mir schneller auf als früher, und ich verharre nicht mehr tage-, wochen-, monatelang in diesem Zustand.

Schritt für Schritt…

Ich wünsche jeder Frau, dass sie das Geheimnis kennenlernt, mit sich im Reinen zu sein, sich anzunehmen, wie sie ist und das zu tun was ihr gefällt.

Und etwas zu finden, das sie von ganzem Herzen begeistert, so dass es unwichtig wird, ob heute ein graues Haar und morgen eine Falte mehr da ist.

Es macht so einfach viel mehr Spaß zu leben.

Mein Wunsch für dich: 

Vereine Körper, Geist & Seele.
Lebe deine kreative Weiblichkeit.
Heile dich selbst.

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Über Natalie:

Mit ihren Vorträgen, Workshops und Coachings begleitet sie Frauen in die Selbstheilung, in die Selbstliebe und in die Lebensfreude. Wenn du mehr von ihr erfahren möchtest, besuche ihre Website oder schreibe sie gerne an (kontakt@naturali.ch)

Warum „Oh, du hast abgenommen!“ kein Kompliment ist

Vor Kurzem hat mich jemand gefragt, ob ich denn abgenommen habe. Ich war erstmal geschockt von der Direktheit der Frage und meinte dann, dass ich es nicht wisse und dass es mir egal sei. „Doch, ich sehe es! Du hast hundertprozentig abgenommen!“, meinte er fast überschwänglich, nachdem er meinen Bauchbereich ziemlich präzise gemustert hatte. Da ich absolut begeisterungslos auf seine Kommentare reagierte, fügte er hinzu: „Freu dich doch. Das war ein Kompliment!“. „Warum soll das denn ein Kompliment sein?“, fragte ich ihn konfrontierend. Darauf entgegnete er mir einen verwirrten Blick. Der Mann ist für einige Sekunden stumm geworden, weil ihm meine Frage so komisch und absurd vorkam. Das ist verständlich, denn heutzutage ist das Abnehmen ein erstrebenswertes Gut. Alle wollen abnehmen. Und alle wollen dafür bewundert werden.

Das hier ist ein Plädoyer dafür, bewusster mit unseren Kommentaren übers Aussehen anderer Menschen umzugehen und unsere Einstellungen zum Gewicht und Abnehmen zu überdenken. Ich bin der Meinung, dass wir es am besten komplett unterlassen sollen, den Körper oder jegliche Gewichtschwankungen anderer Menschen zu kommentieren. Hier sind 6 Gründe, warum das wichtig ist:

1. Mit solchen Kommentaren unterstützen wir den in unserer Gesellschaft herrschenden Abnehm- und Schönheitswahn, der uns alle terrorosiert.
Uns wird von allen Ecken und Kanten – egal ob durch Werbung, Instagram, Magazine, Fitnesstrainer*innen oder Ernährungsberater*innen – eingetrichtert, dass wir  alle schlank und sportlich sein müssten. Der Gewinn der ganzen Industrien, die uns schlank zu halten oder zu machen versprechen, steigt von Jahr zu Jahr erheblich an. Zum Beispiel mach die Diätindustrie ca. 65 Milliarden Dollar Umsatz weltweit, die Fitnessindustrie – ca. 82 Milliarden Dollar und die rasend wachsende Schönheits-OP-Industrie – ca. 20 Milliarden Dollar.  Wenn Menschen aber versuchen, ihren Körper zu verändern, geht es in den meisten Fällen nicht um den Körper an sich. In Wirklichkeit geht es vielmehr darum, was dieser Körper symbolisiert. Denn ein schlanker Körper ist heutzutage das Symbol für Glück, Erfolg, Liebe, ein erfülltes Sexleben und eine makellose Gesundheit. Und wer möchte all das bitte schön nicht haben?! So investieren Menschen haufenweise Geld, Zeit und Energie darin, einem ‘idealen’ Körper hinterherzulaufen, im tiefsten Glauben daran, dass ein ‘besserer’ Körper ihnen ein erfülltes Leben ermöglichen wird. Dies ist jedoch ein gefährlicher Trugschluss, denn auf dieser Jagd verlieren die meisten von uns jeglichen Kontakt zu unserem Körper, versetzten uns in einen Dauerstresszustand, verlieren Spaß am Leben und machen unser Glück von einer Zahl auf der Waage abhängig.

2. Körper sollte nichts mit unserem Wert als Mensch zu tun haben
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die von uns fordert, in allen Bereichen unseres Lebens hervorragende Ergebnisse zu liefern – egal ob im Job, im Bett, als Eltern oder als Je mehr Leistung wir erbringen, je härter wir arbeiten, desto wertvoller sind wir. Als Beweis für unser Leistungsvermögen eignet sich der Körper besonders gut, da er immer sichtbar ist. Er wird als physischer Ausdruck unseres Eifers, unserer Produktivität, Willensstärke und unseres hervorragenden Gesundheitsbewusstseins zur Schau gestellt. Ein schlanker Körper wird einer produktiven, energetischen, zielstrebigen und sogar intelligenten Person zugeschrieben. Ein dicker  Körper wird dagegen mit Faulheit, fehlender Disziplin und mangelnder Produktivität verbunden. Die Wahrheit ist jedoch anders: Sowohl dünne als auch dicke Menschen können leistungsfähig und motiviert sein. Sowohl dünne, als auch dicke Menschen können faul und unmotiviert sein. Unser Körper hat also absolut nichts mit unserem Wert als Person zu tun.  Jeder Mensch ist wertvoll und verdient Respekt, unabhängig von seiner Kleidergröße oder seiner Produktivität. Und jeder Körper darf sein, ohne sich für seine Existenz entschuldigen oder schämen zu müssen.

3. Unser Körper ist kein Schmuckstück, sondern ein wundervolles Instrument.
Es geht kaum mehr um die Funktionalität und Vitalität unseres Körpers. Alles dreht sich um dessen Aussehen. Unsere Körper wurden von bewundernswerten Instrumenten zu Schmuckstücken gemacht; von einem echten Meisterwerk zu etwas, was von Natur aus fehlerhaft und verbesserungsbedürftig ist, degradiert. Es ist an der Zeit, uns Gedanken darüber zu machen, was der Körper für uns bedeutet. Ist er  lediglich dazu da, um anderen zu beeindrucken, neidisch zu machen und zu verführen? Ist es da, um Stolz oder Scham in uns und in anderen auszulösen? Oder ist der Körper da, um uns dieses wundervolle Leben zu ermöglichen, uns auf unserem Wege zu unterstützen? Unser Körper ist ein großes Geschenk und soll primär dafür bejubelt werden, was er alles kann, und nicht dafür, wie er aussieht.

4. Viel zu viel Wert wird heutzutage auf das Äußere gelegt und mit solchen Kommentaren unterstützen wir die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft. Anstatt uns mit dem Kern anderer Person zu verbinden, anstatt sie als ein komplexes und facettenreiches Wesen wahrzunehmen, bleiben wir oft bei den Äußerlichkeiten hängen. Auch bei uns selbst verbringen wir oft viel mehr Zeit damit, unser Äußeres zu polieren, anstatt uns mit unserer reichen und so faszinierenden inneren Welt zu beschäftigen und deren Tiefen zu erkunden. Nächstes Mal, wenn du jemandem ein Kompliment zur ihrem/seinem Äußeren machen möchtest, drück erst mal auf Pause und überlege dir, wie du dieser Person ein wahres Geschenk mit deinen Worten bieten kannst. Frage dich, wie diese Person dein Leben bereichert (hat), wofür du ihr dankbar bist oder worin sie unschlagbar gut ist. Dann teile das mit ihr, in liebevolle Worte verpackt, und beobachte das Licht, das du im Inneren dieser Person angezündet hast.

5. Solche Kommentare können ein gestörtes Verhältnis zum Essen und zum Körper begünstigen.
Dies ist vor allem bei jungen Mädchen/Frauen der Fall. Es kommt ziemlich oft vor, dass sie entweder ungeplant oder zielgerichtet ein paar Kilos abnehmen und plötzlich mit Komplimenten zu ihrem reduzierten Gewicht überschüttet werden. Sie fühlen sich gesehen, begehrt und bewundert. So stellen sie schnell eine Verknüpfung fest: Je dünner ich werde, desto beliebter bin ich. Und beliebt sein wird mit Liebe und Anerkennung gleichgestellt – dem, wonach sich eigentlich jede/r von uns sehnt. Um noch mehr Liebe in ihr Leben zu holen, fangen viele also an, ‘fleißig’ Diäten zu halten und bis zur Ohnmacht zu trainieren. Und dann dauert es meistens nicht allzu lange, bis sie eine Essstörung entwickeln und in einem Sumpf aus Selbstablehnung und Körperhass versinken.

6. Der Gewichtsverlust kann das Ergebnis einer schweren Krankheit oder einer Lebenskrise sein.
Oft nehmen Menschen ab, weil sie an einer Krankheit leiden oder sich in einer schwierigen Lebensphase befinden, z.B. Depression, Trennung, der Tod einer nahestehenden Person.  Der Gewichtsverlust ist in solchen Fällen das direkte Ergebnis des körperlichen oder seelischen Leidens. Da scheint doch so ein Kompliment zum Abnehmen völlig fehl am Platz zu sein, oder? Denn es wäre ja ganz daneben, jemanden für ihre/seine verlorenen Kilos zu bewundern, während diese eigentlich das Leiden und den tiefen Schmerz symbolisieren.

–> Lasst uns gemeinsam eine bessere Welt erschaffen, in der wir achtsam mit uns selbst und mit anderen Menschen umgehen; in der wir viel mehr als nur Körper, sondern vornehmlich Menschen sind; in der wir uns nicht dazu verpflichtet fühlen, unsere Körper verändern zu müssen, um von anderen akzeptiert zu werden; in der wir alles aus Selbstliebe heraus aufbauen, anstatt unser Leben von Selbsthass leiten zu lassen.


Bildquelle: gratisography.com

Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit in Sachen Aussehen

Diesen Artikel möchte ich mit einem aussagekräftigen Zitat von Julia Korbik anfangen:

Schönheit ist … ein perfektes Mittel, um Frauen ruhigzuhalten. Die ständige Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen sorgt für Ablenkung – zwischen Waxing und Gesichtsmaske bleibt gar keine Zeit, hochrangigen Jobs hinterherzujagen oder politische Forderungen zu stellen. Und wenn doch, wird Schönheit so oder so zum Problem. Entweder weil wir zu attraktiv sind oder zu unattraktiv. Wir Frauen können diesen Kampf nicht gewinnen.“

Entspricht das nicht der Wahrheit?

Eine Gesichtsmaske auftragen, duschen, ein Körperpeeling anwenden, eine Anti-Cellulitis-Massage machen (zu diesem Thema werde ich mich in einem späteren Post ausführlicher äußern!), eine Lotion auftragen, Augenbrauen zupfen, sich schminken, Beine-, Achsel- sowie Schamhaare rasieren oder waxen (für manche auch noch Arme, Rücken etc), Finger- und Fußnägel lackieren, Haare machen, eventuell auch Botox gegen die ersten Fältchen reinspritzen – was Frauen alles machen nur um GUT auszusehen!

Warum ist es so wichtig?! Warum ‘darf’ ein Mann aufstehen, sich die Zähne putzen und losgehen, während die meisten Frauen so VIEL ZEIT in ihr Äußeres investieren (müssen)?

Überlege dir mal, wie viel Zeit du täglich damit verbringst, dein Äußeres zu optimieren oder dich deswegen runterzumachen? Wie oft kreisen deine Gedanken ums (verbotene?) Essen und optimale Fitnesspläne? Wie viel Zeit verbringst du damit, dich mit den anderen – selbstverständlich nicht zu deinen Gunsten – auf der Straße, in den sozialen Netzwerken, Magazinen, Fernseher etc. zu vergleichen? Sei ehrlich zu dir selbst und rechne wie viel Zeit du täglich für die oben beschriebenen Aktivitäten verschwendest. Und wie viel Zeit kommt wöchentlich zusammen? Und monatlich?

Lasst uns gelassener mit unserem Äußeren umgehen!

Ich spreche hier aus Erfahrung.

  • Als ich 15 war, war mein Kopf hauptsächlich damit beschäftigt, Kalorien zu zählen und meinen Sportplan für den Tag zusammenzustellen, weil ich ja einen ‘perfekten’ Körper haben wollte. Ach ja, und eine dicke Portion Selbsthass gab es täglich auch noch dazu.
  • Noch vor drei Jahren konnte ich mit roten und geschwollenen Augen (also extrem unausgeschlafen) in der Bahn sitzen und innerlich hoffen, dass ich dort auf kein bekanntes Gesicht treffe, weil mir mein Aussehen zu peinlich war.
  • Oder ich konnte mich nehrmals umziehen und dabei einen Berg an Klamotten auf meinem Stuhl entstehen lassen, bis ich endlich mal ein Outfit anhatte, das mich mehr oder weniger zufriedenstellte.
  • Oder ich konnte bis zu zehnmal einen Zopf machen und dann trotzdem betrübt aus dem Haus gehen, weil meine Haare nicht gut aussehen wollten.

(boah, das klingt so irre, wenn ich das hier jetzt schreibe. Gleichzeitig ist aber so ein Verhalten absolut verständlich, wenn man bedenkt, welche Botschaften wir als Frauen ständig bekommen und wie heutzutage das Aussehen fast über alles andere geschätzt wird).

So ein Verhalten raubte mir aber nicht nur meine ZEIT, sondern auch meine ENERGIE und meine STÄRKE.

Jetzt, wenn meine Schuhe nicht wirklich zu dem Gesamtoutfit passen, wenn meine Haare doof aussehen oder meine Augen extrem müde wirken, und wenn negative Kommentare im Kopf hochkommen, schlage ich sofort mit einem „Ist MIR doch Scheiß egal!“ entgegen))) Das mag etwas komisch oder auch lustig klingen, aber für mich fühlt es sich sehr befreiend an. Die Phrase beinhaltet, dass ich viel mehr anzubieten habe als mein Erscheinungsbild, also lasse ich mir den Tag nicht damit verderben, wie ich heute aussehe. Diese Phrase wurde auf eine natürliche Weise geboren und begleitet mich schon seit einer Weile.

Denk dir auch so einen ähnlichen Spruch aus, der dich dran erinnern soll, wie viel wichtiger deine Persönlichkeit ist. Und wenn negative Gedanken hochkommen oder wenn du merkst, dass du viel Zeit in dein Äußeres oder dessen Kritik investierst, schlag ohne eine Sekunde zu zögern mit deinem mächtigen Spruch zurück.

Du bist so viel mehr als dein Aussehen.

Konzentriere dich auf das Wesentliche.

Nutze deine Zeit sinnvoll.

 

Willst du ein positives Körperbild haben? Schütze dich.

In Frankreich gilt seit einigen Monaten das neue Gesetz: Jedes Bild, das digital bearbeitet wurde, muss mit einem speziellen Symbol bezeichnet werden. Und während ich diese Entscheidung begrüße und für einen Schritt in die richtige Richtung halte, möchte ich die Vermutung aussprechen, dass dies absolut nichts an der Macht ändern wird, die diese Bilder über uns haben (lies: sie werden uns immer noch davon abhalten, ein positives Körperbild zu entwickeln). Warum? Weil es zwei psychologische Phänomene gibt, die das verhindern werden:

  • Mere-Exposure-Effekt
  • Subliminale oder unbewusste Wahrnehmung

Den Mere-Exposure-Effekt kann man ungefähr so zusammenfassen: Je mehr wir einer Sache ausgesetzt werden, desto mehr mögen wir sie und desto mehr glauben wir daran, dass sie die Wahrheit darstellt.

Das heißt, dass ein rein intellektuelles Verständnis hier nicht ausreicht.  Wir alle wissen, dass die meisten Bilder bearbeitet werden und dass die Frauen da draußen anders aussehen. Und trotzdem ziehen uns solche Bilder runter und lösen in uns Minderheitskomplexe aus.  Dies wäre nicht der Fall, wenn unser Wissen und unser Verstand uns davor ausreichend schützen könnten.

Im Bezug auf das neue Gesetz bedeutet der Mere-Exposure-Effekt, dass es für unsere Wahrnehmung absolut egal ist, ob das Bild mit einem Zeichen versehen ist oder nicht. Wir nehmen es wahr und addieren es automatisch zu all den zahlreichen Bildern, die bei uns schon gespeichert wurden; zu den Bildern, die eine unechte und trotzdem  ‘erstrebenswerte‘ Schönheit zeigen.

Hinzu kommt noch etwas, was die ganze Sache erheblich erschwert, nämlich die unbewusste Wahrnehmung.

Da wir täglich einer immensen Menge an Informationen (visuellen, auditiven, kinästhetischen etc.) ausgesetzt sind, können wir nur einen winzigen Teil davon bewusst wahrnehmen. Der Rest bleibt für uns angeblich unbemerkt. Die Wahrheit ist, dass selbst wenn wir ein Bild ganz flüchtig gesehen haben, hat unser Gehirn es registriert und gespeichert.

Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass du dich bewusst gegen solche Bilder schützest, die dir nicht guttun. Egal was die Botschaft hinter dem jeweiligen Bild ist. Wenn es dich herunterzieht, lösche es.  Distanziere dich von den Quellen, die solche Bilder in deine Reichweite bringen.

Was genau kannst du jetzt tun?

1. Hör auf Klatsch- und Modemagazine zu kaufen.

Ganz einfach, sie haben keinen Wert. Ich sage es sogar so: Die meisten werden dir einreden, was für ein unvolkommenes und fehlerhaftes Wesen du bist, das unbedingt Verbesserungen in Form von Diäten, Anti-Cellulite-Gels und Anti-Aging-Cremes braucht. In solchen Magazinen wird nur ein ganz enges und meistens auch unnatürliches Schönheitsideal dargestellt, nämlich weiß, jung und schlank/sportlich. Im schlimmsten Fall werden dort auch bekannte Frauen für ihre Cellulitis, Dehnungsstreifen, Falten und ihr Bauchfett ausgelacht und degradiert. Es gibt bestimmt andere Wege, wie du dein Geld so investieren kannst, dass du Spaß hast, dich dabei wohlfühlst und gleichzeitig auch für die Würde anderer Frauen einsetzt.

2. Überprüfe dein Newsfeed in sozialen Netzwerken.

Comparing yourself to others is an act of violence against your authentic self ©Iyanla Vanzant

Wen siehst du da? Wie fühlst du dich dabei? Fühlst du dich schön, kraftvoll und einzigartig? Oder fühlst du dich im Vergleich zu den anderen nicht genug: nicht schön/schlank/erfolgreich/beliebt etc. genug? Unfollow Menschen, die dich runterziehen. Wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht möglich/sinnvoll ist, dann ändere deine Einstellungen so, dass du keine Neuigkeiten mehr von diesen Personen siehst. Erschaffe dir im Internet einen Raum, in dem du regelmäßig bestärkt wirst und in der Vielfalt und Selbstliebe zur Normalität gehören.

3.  Bleibe nicht bei den Bildern hängen.

Auch wenn du dich um deinen Newsfeed gekümmert und diesen ‘gesäubert’ hast, wird es trotzdem ab und zu vorkommen, dass du auf ein Bild stößt, das dich runterzieht. Vielleicht ist darauf eine Frau abgebildet mit genau der Figur oder mit genau solchen Haaren, die du dir auch schon immer gewünscht hast. Jetzt Achtung: einfach weiter scrollen!!! Bleib auf keinen Fall bei diesem Bild hängen. Verschwende deine kostbare Energie nicht darauf, diese Frau zu beneiden oder dein eigenes Aussehen zu kritisieren.  Du hast etwas Bessere zu tun, nämlich die Welt zu verändern! Ja, ich meine es ernst. Denn indem du deinen eigenen Körper akzeptieren und sogar richtig feiern lernst, kommst du in deine Kraft. Und aus dieser Kraft heraus kannst du nicht nur als Vorbild für andere Frauen dienen, sondern auch diese Kraft gezielt dafür nutzen, um wichtige gesellschaftliche Veränderungen in Gang zu setzten.

Nimm dein Wohlergehen in deine eigenen Hände. Schütze dich.

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Infos zum Beitragsbild:
Fotograf: Justus Holzberger (Website)
Model: Viktoria FiLov

Was haben Botoxspritzen mit  Frauenunterdrückung zu tun

Das Private ist das Politische.

Jeden Tag haben wir die Wahl, was für Menschen wir sein wollen. Jeden Tag können wir uns entweder für Selbstliebe, Gerechtigkeit und unsere gemeinsame Ermächtigung entscheiden, oder still Selbstverachtung praktizieren und die Aufrechterhaltung des Unterdrückungssystems unterstützen.

Diese Wahl ist nicht immer einfach. Manchmal ist sie verdammt schwer, ABER nichtsdestotrotz ist sie nur uns überlassen. Und ich möchte dich dazu ermutigen, deine Wahl zu treffen. Wie es Brene Brown so wunderschön ausgedrückt hat: „choose courage over comfort“ (zu Deutsch: ziehe die Courage der Gemütlichkeit vor).

Wenn du z.B. die ersten Fältchen im Spiegel siehst, kann es enttäuschend sein, weil man damit automatisch das Altern verbindet, was den Verlust von Kraft und Energie symbolisiert. Für viele Frauen ist diese Angst jedoch sekundär. Denn als erstes fürchten viele von uns den Verlust unserer Schönheit, die gleichzeitig in einer engen Verbindung mit Verlust von Akzeptanz und Sexualität steht (oder zumindest wird es uns so suggeriert). Da also die Konsequenz von Schönheitsverlust so fürchterlich zu sein scheint, kommt ganz schnell der angeblich rettende Gedanke an Botox (oder was auch immer für Alternativen es heutzutage gibt).

“In a society that profits from your self-doubt, liking yourself is a rebellious act.” ©Caroline Caldwell

Die Aktion ist auf den ersten Blick einfach und geht eigentlich niemanden etwas an. Ich möchte aber behaupten, dass diese private und angeblich harmlose Handlung tiefgreifende Konsequenzen hat.

Denn wenn ich mir eine Botoxspritze verabreichen lasse, unterstütze ich damit die heutzutage boomende Schönheitsindustrie, die von unseren Unsicherheiten immens profitiert und somit daran interessiert ist, diese zu steigern und in sich zu stärken. Außerdem unterwerfe ich mich dadurch den frauenverachtenden Schönheitsidealen, die ausschließlich die jung aussehenden Frauen als schön und beachtenswert darstellen, und die generell Schönheit als die größte Macht und Tugend einer Frau vermarkten.

Wenn ich mich aber dagegen entscheide, dann entscheide ich mich gleichzeitig für die radikale Selbstliebe und die innere Wertschätzung. Und dies ist nicht nur ein privater Befreiungsakt, sondern ein politisches Statement. Damit lehne ich die Schönheitsideale ab, die Frauen dazu zwingen, sich hässlich und wertlos zu fühlen. Damit setze ich ein klares Zeichen gegen die boomende Schönheitsindustrie, die aus unseren künstlich erschaffenen Unsicherheiten Profit zieht. Damit sage ich nein dazu, dass mein Wert als Mensch von außen definiert wird. Und damit mache ich es auch für andere Frauen leichter, sich selbst zu akzeptieren und sich gegen den gesellschaftlichen Druck zu wehren.

Wofür entscheidest du dich?

p.s.

Schau die unbedingt die Bilder von der wunderbaren @saramaijewels, @baddiewinkle und @icconaccidental an, die ihr Altern nicht einfach akzeptieren, sondern es richtig feiern.

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Bildquelle: gratisography.com

 

Wie unsere Partizipation an der Abnehm-Kultur uns zerstört

Ich behaupte, dass unsere Gesellschaft in einem Abnehm-Wahn gefangen ist. Ich möchte sogar weitergehen und die Vermutung aussprechen, dass unsere größte Gefahr nicht in der Adipositas-Epidemie verborgen ist, wie es uns von allen Ecken eingetrichtert wird, sondern in der Abnehm-Epidemie.

Das Gewicht ist nie das Problem, es ist lediglich ein Symptom.

Der Kapitalismus und die Ideologie des Neoliberalismus zwingen Menschen dazu, das Materielle über das  Geistige, über das Emotionalen und über das Menschlichen zu stellen; das Geld und den Besitz anzubeten, anstatt das Seelische in den Vordergrund zu rücken. So wachsen Menschen auf und leiden darunter, keine tiefen Bindungen zu anderen Menschen zu haben und fühlen sich auch unter anderen Menschen einsam.

Diese klaffende innere Leere, die große Sehnsucht nach Liebe und Bindung soll viel zu oft mit dem Essen gestillt werden. Das Gefühl des „nicht-gut-genug-seins“, das in unserer Leistungsgesellschaft fast jede Person in die Wiege gelegt bekommt, wird oft auch mit Hilfe des Essens zu unterdrücken versucht. Menschen greifen zum Essen und stopfen sich voll damit, um sich selbst ihre angebliche Wertlosigkeit zu beweisen. Essen ist beides, Trost und Bestrafung, manchmal gleichzeitig. Außerdem können Frauen sowohl im exzessivem Essen und darauffolgender Gewichtzunahme als auch in einer extremen Gewichtsabnahme sich einen Schild aufbauen. Dies schützt sie gegen die Übersexualisierung und Verdinglichung ihres Körpers und gegen die oberflächliche und leider so weit verbreitete Reduzierung ihrer Persönlichkeit auf ihr Äußeres.

Essen wird ständig dämonisiert und zur Sünde gemacht. Sich ein Dessert zu gönnen, wie es uns durch zahlreiche Werbespots suggeriert wird, bedeutet, sich etwas Verbotenes  zu leisten. Ein Dessert dürfen wir nicht einfach so genießen, weil es uns Freude bereitet und unsere Geschmacksknospen verwöhnt. Nein. Wenn wir schon sündigen und uns an ein Stück Torte ranmachen, dann müssen wir das aus einem schlechten Gewissen heran tun und dafür natürlich eine Strafe zahlen, z.B. uns ins Fitnessstudio quälen, ganz egal ob wir das Laufband hassen oder nicht.

Die Kalorientabellen werden zur neuen Bibel erklärt.  Jeder Mensch muss sich damit auskennen. Jeder Mensch muss das eigene Essen konstant scannen und checken. Die Essensvorbereitung erinnert uns mehr und mehr an ein Chemielabor, wo alles steril ist und wo das Produkt grammgenau präpariert wird. Dem Essen wird das Kreative und das Genussvolle genommen. Stattdessen werden wir in eine Essneurose getrieben.

“Die Moralität des Dünnseins ist besonders verlockend, weil sie uns das Gefühl von Tugend, Reinheit und Selbstwert gibt, ohne dass wir uns intensiv damit auseinandersetzen müssen, was es bedeutet, in unserer komplizierten Welt ethisch zu handeln.  Stattdessen können wir uns „gut“ nennen, wenn wir das Essen zu uns nehmen, das „gut“ ist – worunter natürlich das Essen gemeint, das uns helfen soll, schlank zu werden oder zu bleiben” ©Michelle Lelwica (meine Übersetzung)

Die Produkte werden in „gute“ und „schlechte“ unterteilt. Man soll sich nur von guten Produkten ernähren und die anderen wie die Pest verabscheuen. Wer sich erfolgreich unter Kontrolle hat, der/die passt in die Leistungsgesellschaft hinein und darf sich für etwas Besseres halten, während Menschen, die ‘schlechtes’ Essen zu sich nehmen, abgewertet werden. Das Essen beinhaltet heutzutage einen moralischen Aspekt, was unser Verhältnis damit noch schwieriger macht.

Sogar das Konzept der Gesundheit wird heutzutage an den Abnehm-Kult angepasst und dem Kapitalismus in den Dienst gestellt, denn laut den gängigen Bildern kann ein Mensch, der Bauchröllchen, Cellulitis, Dehnungsstreifen oder hängende Haut hat, nicht als gesund angesehen werden, ganz geschweige von den Menschen, die in die Kategorie „übergewichtig“ gepresst werden. So geben Menschen viel Geld dafür aus, um dem künstlich erschaffenen Ideal näher zu kommen, das ja nicht nur schön sei, sondern angeblich auch gesund.

Warum machen wir bei diesem Wahnsinn mit? Warum lehnen wir unseren eigenen Körper, unsere Wünsche, unsere Geschmäcke ab und folgen den aufgesetzten Regeln, die uns nicht nur miserabel machen, sondern unsere Beziehung zu unserem eigenen Körper auf Dauer komplett zerstören? Warum führen wir einen bitteren Krieg gegen das Essen, anstatt mit ihm eine erfüllende Liebesbeziehung zu führen? Warum schränken wir uns bis zum Umfallen ein und nehmen uns unsere eigene Lebensfreude weg, anstatt unser Dasein täglich zu zelebrieren und uns liebevoll zu behandeln? Warum können wir nicht über unseren Körper reden, ohne zu behaupten, dass wir ein paar Kilo abnehmen wollen oder sogar sollen? Warum zwingen wir unsere Kinder dazu, den Teller leer zu machen anstatt sie intuitiv essen zu lassen? Warum versuchen wir unseren Kindern beizubringen, dass ihre Körper schön sind so wie sie sind, während wir ständig auf Diäten sind und über unseren eigenen Körper und die Körper anderer Menschen immer abwertend reden? Und dann wundern wir uns noch, dass unsere Kinder auch ihre Körper hassen und sich selbst ablehnen…

“Denke daran: Was gut für dich ist, ist in Ordnung. Lege dir keine unnötigen Regeln auf. Du bist ja schon in einem Gefängnis, schaffe dir nicht ein noch größeres Gefängnis.” ©Osho

Wir müssen den grausamen und uns in Ketten legenden Totalitarismus dieser Abnehm-Kultur erkennen und ihm die Stirn bieten.

Der beste Weg daraus ist es, dich der Weisheit deines eigenen Körpers anzuvertrauen und auf seine Signale zu hören. Dein Körper ist ein extrem intelligentes System und er weiß selbst, was er braucht und was ihm guttut. Er ist der Expert, nicht die Frau im Fernsehen oder der Bestseller-Autor.

Trau dich, dem Abnehm-Kult ein klares „Nein“ auszusprechen und dich stattdessen mit deinem eigenen Körper zu befreunden.

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Dicke Menschen in den Medien: Ja, bitte!

Sind dicke Menschen in den Medien wirklich eine lebendige Werbung für Fettleibigkeit?

Ich höre das immer und immer wieder: „Diese ganze body-positivity-Bewegung ist scheiße. Alles, was sie tut, ist Normalisierung eines ungesunden Lebensstils und Förderung der Adipositas. Ich habe nichts gegen dicke Menschen, aber sie sollen bitte ihr Dicksein nicht überall präsentieren. Das ist ja schließlich ungesund.“

Jaja, viele haben ja auch ‘nix’ gegen Geflüchtete und so…  die Geschichte kennen wir schon.

Was der Mensch damit eigentlich sagt, ist: „Ich empfinde eine starke Abneigung gegenüber dicken Menschen, das werde ich aber nie zugeben. Auch mir selbst nicht. Diese Menschen stören mich in meiner Welt, wo alles komischen Idealen und fremdbestimmten Regeln zu entsprechen hat. Am besten, sollen sie sich verstecken, sodass ich sie nie zur Schau bekomme. So dürfen sie dann bitte existieren.“

Oder liege ich etwa falsch mit meiner Vermutung?

Ich bin der Meinung, dass es extrem wichtig ist, dass wir dicke Menschen in den Medien sehen (und nicht nur dicke, sondern auch Behinderte, Homosexuelle, People of Color.  Ach ja, Frauen mit Körperhaaren und Cellulitis bitte auch), denn:

  1. Es geht nicht um Werbung…

Keine/r sagt: „Dick sein ist geil und genau das soll dein oberstes Ziel sein. Nur wenn du dick bist, bist du schön und wertvoll. Erst wenn du zunimmst, wirst du dein Leben genießen können, deswegen nimm diese Pille ein, damit du 5 Kilo die Woche zunimmst!“ Klingt skurril? Schon mal so einen Appel gehört? Ich nicht. Dafür höre ich aber ständig, was ich meinem Körper alles antun soll, damit er dem unnatürlichen Schönheitsideal entspricht, der mir Liebe, Anerkennung und Erfolg verspricht (Kalorien zählen, mein Essverhalten ständig unter Kontrolle halten, mich auf sehr viele Sachen verzichten, mich regelmäßig ins Fitness-Studio schleppen, Anti-Cellulitis-Massage machen und und und). Deswegen bitte, hört auf mit der Beschuldigung, dicke Menschen würden für das Dicksein Werbung machen und Adipositas-Epidemie vorantreiben. Nein. Es geht hier um etwas viel Einfacheres und gleichzeitig um etwas absolut Essentielles…

  1. Es geht ums Dasein.

Wir alle sind gleich viel wert, die Kleidergröße ist egal

Dicke Menschen möchten einfach nur sein und so akzeptiert werden, wie sie sind. Das wollen wir doch alle, nicht wahr? Warum darf sich dann ein Mensch in seinem Körper wohl fühlen (zumindest in der Hinsicht, wie sein Körper von der Außenwelt empfangen wird), und der andere muss  sein ganzes Leben mit Ablehnung und Hass konfrontiert werden? Ist einer denn wertvoller als der andere? NEIN. Und der Grund für mehr Vielfalt in den Medien ist sehr eindeutig: Solange wir nur einen ganz bestimmten Körpertyp zu sehen bekommen, werden wir Millionen von Menschen haben, die sich hässlich, fehlerhaft und nicht zugehörig fühlen (Hier kannst du nachlesen, wie du dich davor schützen kannst).  Es ist extrem wichtig, sich selbst von den anderen repräsentiert zu fühlen. Dies gibt Menschen das Gefühl, ‘normal’ zu sein und dazu zu gehören. Deswegen brauchen wir dicke Menschen in den Medien, aber auch alle anderen Menschen, die in unserer Gesellschaft marginalisiert werden.

  1. Ungesund sind der Hass und die Vorurteile, nicht das Dicksein

Heutzutage gibt es genug Studien, die zeigen, dass das Aussehen von Menschen nicht unbedingt etwas über ihre Gesundheit aussagt. Menschen können übergewichtig[1], und trotzdem gesund sein! (tja, so etwas hast du in unserer mit dem Aussehen besessenen Gesellschaft noch nie gehört, oder? Es ist höchste Zeit.) Auch muss das Dicksein nicht immer der Auslöser für Diabetes und andere Krankheiten sein. Wir müssen uns mehr über das Thema informieren und unsere veralteten Überzeugungen überdenken.

Genauso müssen auch Ärzte ihre tiefsitzenden Vorurteile, dass dicke(re) Menschen per se ungesund sind, ablegen, damit sie sie nach den wahren Gründen der Krankheiten suchen können, anstatt falsche Diagnosen zu liefern und bei jeder Beschwerde das Abnehmen zu empfehlen. HIER könnt ihr euch eine bewegende Geschichte von einem Arzt anhören, dessen tiefe Vorurteile ihn davon abhielten, seiner dicken Patientin Respekt und eine liebevolle Behandlung zu geben. Erst durch seine eigene Krankheit wurde er zum Erwachen gebracht: https://www.youtube.com/watch?v=UMhLBPPtlrY

Und ja, selbst wenn der Mensch dick ist und gesundheitliche Probleme aufweist, wäre in diesem Fall die Frage berechtigt: Was geht uns das an? Woher nehmen wir uns das Recht, die Person zu beurteilen, abzuwerten oder sogar zu beleidigen? Dieses Recht haben wir nicht. Und wir sollen uns lieber daran üben, uns selbst liebevoll anzunehmen und auch den anderen Raum für Selbstentfaltung zu geben.

Leben und andere leben lassen, sage ich nur.

LOSE HATE NOT WEIGHT Virgie Tovar

P.S.
Es ist mir bewusst, dass die Tatsache, dass ich als eine Frau ‘normaler’ Größe (also privilegiert) FÜR die Menschen spreche, die in unserer Gesellschaft konstant diskriminiert werden, etwas problematisch ist. Da ich dieses Thema jedoch für sehr wichtig erachte und bisher kaum ähnliche Artikel im deutschsprachigen Raum dazu gelesen habe, entschied ich mich dazu, trotz der oben erwähnten Problematik meine Meinung dazu zu äußern. Ich hoffe, keine/r wird sich dadurch beleidigt fühlen. Meine Intention ist es, Menschen dazu zu bewegen, ihr Verhalten zu hinterfragen und ihre Vorurteile abzulegen, damit wir gemeinsam eine faire und inklusive Welt aufbauen können.

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[1] Das Wort an sich ist ja schon problematisch. Wer/was definiert diese Norm? BMI? Den hätten wir längst über Bord werfen sollen. Dazu kommt bald auch ein Artikel von mir.

Bildquelle:
auf den beiden Bildern ist die wunderbare und immer strahlende Katha zu sehen ^^ Die Bilder habe ich selbstverständlich mit ihrer Erlaubnis hier gepostet. Katha ist eine plus size fashion & lifestyle Bloggerin. Mehr von ihr findet ihr hier:
Website: https://kathastrophal.de/
Instagram: https://www.instagram.com/kathastrophal/?hl=de
Facebook: https://www.facebook.com/kathastrophal.de

Warum es wichtig ist, über unsere Essstörungen zu sprechen

Was passiert eigentlich, wenn du über deine Essstörung sprichst? Ich weiß, allein schon der Gedanke daran jagt dir Angst ein, und dies auch aus gutem Grund: Das Thema “Essstörungen” ist in unserer Gesellschaft leider immer noch tabuisiert und schambehaftet. In diesem Artikel möchte ich dir jedoch zeigen, warum es für dich, andere Betroffene und für unsere ganze Gesellschaft wichtig ist, dass DU deinen ganzen Mut zusammenfasst und über deine Essstörung sprichst. Und Anfangen möchte ich mit einer persönlichen Geschichte.

Als ich mit 23 mein Auslandssemester in England machte, erreichte meine Essstörung ihren absoluten Gipfel, was durch einen zerreißenden Liebeskummer sowie Integrationsschwierigkeiten ausgelöst wurde. Ich habe damals in einem Haus mit meiner guten Freundin gewohnt, mit der wir offen über alles reden konnten. Über meine Essstörung habe ich ihr aber nichts erzählt, weil ich mich allzu sehr dafür schämte. Als ich vor einigen Monaten endlich mal den Mut hatte, mein Geheimnis mit ihr zu teilen, erfuhr ich zu meiner großen Überraschung, dass sie in England auch ihre schlimmste Phase hatte! So litten wir beide – in demselben Haus wohnend  –  an dem gleichen Problem, hielten es aber sehr konsequent voneinander geheim.

Jetzt, wenn ich auf dem Weg zu Heilung bin, rede ich offen über meine Erfahrungen. Zurück kommt meistens „Ich auch“ oder „meine Tochter auch“, was für mich erschreckend und gleichzeitig augenöffnend ist.  Ich möchte also auch dich dazu ermutigen, deine Erfahrungen mit der Welt zu teilen.

Hier sind drei Gründe, warum es notwendig ist:

1. ENT-SCHÄMUNG und AKZEPTANZ.

Wenn du über deine Essstörung sprichst, entschämst du sie. Das ist ein sehr wirkungsvolles Mittel, denn wenn die Scham weggenommen ist, hat die Essstörung plötzlich nicht so viel Macht mehr über dich. Dann bekommst du endlich die Möglichkeit, rational an der Sache zu arbeiten, anstatt von der unerträglichen Last des Schams in ewigem Schweigen und andauernder Selbstverachtung gefesselt zu werden. Außerdem fördert das Loswerden von Scham eine gewisse Akzeptanz für deinen Zustand und den Willen, ihn zu verbessern. Und das wiederum kann dich dafür öffnen, Hilfe zu suchen (egal in welcher Form).

2. EMPOWERMENT und VERNETZUNG.

Wenn du über deine Erfahrungen sprichst, zeigst du anderen Frauen, dass sie mit den gleichen Problemen nicht alleine sind, dass sie nicht komisch oder wertlos sind. Durch das Erheben deiner eigenen Stimme, ermutigst du andere Frauen dazu, auch ihre Geschichten zu erzählen und gleichzeitig auch diese zu entschämen. Dies führt, erstens, zu der wichtigen Erkenntnis, dass dein Problem nicht spezifisch und selten ist, sondern dass es allgemein verbreitet ist und sehr viele Frauen und Mädchen betrifft. Zweitens, hilft diese Offenheit sich zu vernetzen und eine unterstützende Community aufzubauen. Denn es ist viel einfacher und wirkungsvoller, gemeinsam gegen ein Problem einzutreten als es alleine zu tun.

3. VERÄNDERUNGEN im SYSTEM.

Wenn wir offen über unser gestörtes Verhältnis mit dem Essen sprechen, machen wir aus schambehafteten und ausschließlich privaten, angeblich durch unseren eigenen Narzissmus ausgelösten Schwierigkeiten ein öffentliches Problem. Denn eine Essstörung wird hauptsächlich durch eine Mischung aus dem äußeren Druck und innerer Unsicherheit oder Trauma ausgelöst. Sie  ist meistens eng mit dem aufgezwungenen Schönheitskult, Leistungsdruck sowie mit der gesellschaftlich bestimmten Rolle der Frau, ihrer Sexualität und ihrer Selbstentfaltung verbunden. Und das sind gesellschaftliche Angelegenheiten, die akut unsere Aufmerksamkeit erfordern.

 

–> Also rede über deine Essstörung. Entmachte sie. Vernetzte dich mit betroffenen Frauen, unterstütze und ermächtige sie. Bringe deine eigenen Erfahrungen als Frau sowie die gesellschaftlichen Zwänge und Anforderungen, die dich geprägt haben, zur öffentlichen Debatte.

 

p.s.

Gibt es noch weitere Gründe, warum wir unsere Essstörung zum Thema machen sollen? Teile sie gerne in den Kommentaren mit.

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Kristina Lang: “Die Haare bleiben da!“

Ich habe die wunderbare, starke, extravagante Kristina Lang von Cosmotinaut interviewt. Kristina arbeitet als Life-Coach für Frauen und gibt Workshops, in denen Frauen lernen, sich von den gesellschaftlichen Zwängen zu befreien und in ihre Mitte zu kommen. Kristina wollte vor drei Jahren ein Experiment wagen und hörte auf, sich zu rasieren (Beine, Achsel, Intimbereich, Augenbraunen, Zehen). Das Experiment ging jedoch so weit, dass es zu ihrem Lebensstil geworden ist. Kristinas Bein- und Achselhaare sind jetzt ein Teil von ihr. Genau darüber wollte ich mit ihr sprechen.

Kristina erzählt mir, dass sie gerade einen für sie neuen Job als Kinderanimatorin ausprobiert. Sie äußert Bedenken, dass ihr Chef ihr sagen wird, dass die Haare unbedingt ab müssen, wenn sie etwas auf der Bühne vorführt. Ihre Antwort hält sie schon parat: „Die Haare bleiben da! Dann bin ich halt Prinzessin Elsa auf der Bühne mit einem Busch unter den Achseln!“ (lacht)

Wie kam es dazu, dass du die Entscheidung getroffen hast, dich nicht zu rasieren?

Ich war eigentlich immer ziemlich selbstbewusst und mit mir verbunden. Irgendwann wollte ich an den Strand fahren und dann dachte ich: „Ne, erstmal muss ich mich waxen, das Waxen dauert aber zwei Stunden. Scheiß drauf, ich bleibe zu Hause.“ Und dann dachte ich sofort: „Alter, was bist du denn für eine? Was hast du denn für einen kranken Kopf, dass du nicht an den Strand fahren willst, Sommer und Sonne genießen willst, weil du Haare hast?“ Und da fing es an, dass ich mich damit voll intensiv auseinandergesetzt habe und bin dann mit meinem sexy Bikini an den Strand losgefahren. Und da habe ich gemerkt, dass ich scheiß selbstbewusst bin. Ich bin lediglich angepasst, ich bin nur ein Produkt von dem, was man sehen will, von dem, was ich von mir sehen will. Und das war der Auslöser damals. Und besonders weil ich am Abend noch bei Kumpels war und die das halt gesehen haben, und die Reaktion darauf hat mich so bekräftigt das weiterzumachen und ihnen das alles schön in die Fresse zu geben damit. Und jetzt… Jetzt ist mir das tatsächlich fast egal, bzw. jedes Mal, wenn ich das sehe und irgendwie eine Abneigung dagegen spüre, dann gehe ich in mich hinein und frage mich: „Okay, was hast du denn für ein Problem mit dir selbst, dass du das nicht akzeptieren kannst, dass du damit nicht rausgehen kannst?“  Und wenn Leute irgendwas dagegen haben, also wirklich aktiv etwas dagegen haben, dann sind das einfach nicht meine peoples.

Hast du dir früher auch schon Gedanken darüber gemacht?

Ja, na klar! Das war ständig ein Thema. Meine Haare sind halt  wie bei einem sibirischen Tiger. Das entzündet sich ständig, das ist nur scheiße. Es gibt halt Mädels, die rasieren sich und sind eine Woche blank, und bei mir kommen sie am Abend schon wieder raus. Und dann habe ich gedacht, dass das auch für die Haut nicht schön ist, aber man fühlt sich dadurch sexy und man fühlt sich zugehörig. Und man fühlt sich auch weiblich, weil das das Weiblichkeitsbild ist, was man halt bekommt.

Wie reagieren die anderen auf dich?

Wenn ich irgendwo in der Stadt lang gehe, sexy Klamotten anhabe und dann sind da halt diese Haare. Die meisten Menschen gucken dann ganz schön krass. Es passiert oft, dass ich z.B. ein Pärchen sehe, das sogar so ganz nett am Schnacken ist, dann bemerken sie meine Beinhaare und entweder der Mann oder die Frau zieht dann so am Ärmel und macht komische Geräusche. Und ich drehe mich dann immer so gemütlich um und grüße sie (lacht). Sie sind dann immer völlig verwirrt.

Gibt es einen Unterschied zwischen der Reaktion von Männern und der Reaktion von Frauen?

Damals habe ich gedacht, dass Männer krasser reagieren würden. Tatsächlich habe ich das so eher bei Frauen recht krass empfunden. Eben nicht unter Abneigung, weil das unsexy ist, sondern  eher: „Ey, Misstück, warum macht sie das? Ich will das auch!“ Und das Thema dahinter ist ja Freiheit. Es geht nicht um Haare, es geht um Freiheit und um sich-selber-leben. Ich kenne auch viele Kinder, die mir gesagt haben: „Meine Mama hat so was nicht.“ Sie haben ihre Mutter – oder auch viele junge Männer – haben noch nie eine Frau mit Beinhaaren gesehen. D.h. seit wie viel Jahrzehnten sie auf dieser Welt leben, sehen sie nur Frauen, die sich angepasst haben. Sie haben noch nie eine Urfrau gesehen! Das ist total verrückt.

Also sind die Reaktionen eher gleich von der Intensität her?

Es sind halt andere Intentionen. Bei Männern kommt meistens so ein leichter „äähhh“ (imitiert würgen). Das ist ja irgendwie pervers, das passt nicht ins Schema rein, wo alle rasiert und blitzeblank sind. Und bei Frauen ist es dann meistens so: „Okay, krass, eigentlich Respekt…“ Aber bei vielen kommt dann sofort Hass als Reaktionsmuster: „Das ist Konkurrenz, sie ist freier als ich!“

Wie können wir als Frauen weg von Konkurrenz und eher zu Kooperation kommen?

Wir müssten ehrlicher zueinander sein und keine Angst davor haben, unsere Schwächen einander zu zeigen. Denn wir versuchen viel zu oft Sachen zu unterdrücken oder vor anderen zu verstecken, damit die anderen sie nicht sehen und damit wir für andere als perfekt erscheinen. Wenn man die eigenen Schwächen aber auslebt und dazu steht, dann fühlt man sich gleich viel ‘normaler’, viel verbundener  und menschlicher auch. Man setzt sich keine Maske auf und versuch nicht ein Bild zu ergeben, sondern man handelt in Gemeinsamkeiten und unterstützt einander.

Welche Botschaft würdest du meinen Leserinnen auf den Weg geben?

Chill. Genieße dein Leben. Scheiß drauf, was andere sagen.

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Mehr zu Kristina und ihren Projekten findet ihr auf ihrer Website (http://www.cosmotinaut.com/).  Sie ist nicht nur Expertin in Weiblichkeit, sondern sie beschäftigt sich auch viel mit Psychosomatik und gibt ihr Wissen gerne weiter.

Es gibt auch zwei Videos wo Kristina über ihre Körperhaare spricht, die ich euch anschauen könnt:
1. Von Kristina selbst gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=JhbnOtj685E
2. Interview mit Kristina (auf Klo): https://www.youtube.com/watch?v=3nzF0aZdZZQ&t=45s

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Wie steht ihr zu Kristinas Entscheidung und zu Körperhaaren generell? Was würde es für euch bedeuten, sich nicht zu rasieren? 

Kristinas FB-Beitrag (25.04.2017), Bildquelle: Siknature Photography
“African HIMBA tribe no hair.
German Russian like a bear.”

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Bildquelle (Beitragsbild): Kristina Lang

3 Schritte zu radikaler Selbstakzeptanz

Ich sehe radikale Selbstakzeptanz als den Hauptteil der radikalen Selbstliebe. Da ich aber der Meinung bin, dass das Konzept der Selbstliebe etwas überfordernd oder sogar frustrierend sein kann – vor allem für die Anfängerinnen unter uns –, möchte ich mich heute auf Selbstakzeptanz konzentrieren.

Radikale Selbstakzeptanz bedeutet, dass du dich genau so annimmst, wie du bist: mit all deinen Stärken und Schwächen, mit all deinen Macken und Verrücktheiten, mit all deinen Träumen, Wünschen, Ängsten, begehenden Fehlern, Misserfolgen sowie möglichen Traumata.  Was ich damit NICHT meine, ist dass du mit dem Satz: „So bin ich halt! So ist es halt!„ durch das Leben läufst und keine Verantwortung weder für dein Handeln oder deine Emotionen noch für dein Leben übernimmst. Nein. Selbstakzeptanz hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun. Sie ist auch kein Nährboden für deine Ausreden. Sich selbst radikal zu akzeptieren heißt, sich selbst wirklich zu kennen, sich zu 100% anzunehmen und gleichzeitig daran zu arbeiten, das Beste aus dir selbst und aus deinem Leben zu machen.

Was gibt es also zu akzeptieren?

  1. Akzeptiere deinen Körper und dein Aussehen.

Arbeite daran, Frieden mit deinem Spiegelbild zu schließen. Lerne es, dein Äußeres  ohne Kritik zu betrachten und dich wohl in deinem Körper zu fühlen. Sehne dich nicht danach, so wie eine andere Frau auszusehen, sondern verstehe, dass Schönheit in der Vielfalt liegt

“Everybody has a part of her body that she doesn’t like, but I’ve stopped complaining about mine because I don’t want to critique nature’s handiwork … My job is simply to allow the light to shine out of the masterpiece” ©Alfre Woodard

ABER: Setz dich nicht unter Druck! Manchmal ist es so, dass man trotz der konsequenten inneren Arbeit, die man leistet, immer noch einen Körperteil einfach nicht mag oder nicht schön findet. Es ist okay. Das musst du nicht. Du musst dich nicht dazu zwingen, einen deiner Körperteile schön zu finden, wenn es dir schwer fällt.

Es reicht schon, wenn du diese Körperteile akzeptierst und ihnen entgegen einfach neutral gesinnt bist: keine große Liebe, aber auch kein Hass. Sie sind ein nicht wegzudenkender Teil von dir, sie machen dich ein Stückweit aus und sind dir wahrscheinlich auch von deinen Eltern oder Großeltern gegeben worden. Entscheide dich dafür, sie in deinem Leben willkommen zu heißen, Frieden mit ihnen zu schließen und ihnen dankbar dafür zu sein, was sie für dich Tag für Tag machen. Das würde ausreichen.

Ich habe übrigens kaum einen Körperteil, den ich wirklich toll finde. Ich habe aber auch keinen, den ich absolut nicht ausstehen kann und dessen Aussehen mich runterzieht. Für mich fühlt es sich wunderbar an, denn noch vor ein paar Jahren war mein Verhältnis zu meinem Körper mit Hass und Frust erfüllt. Hier kannst du einen Tipp finden, der mir auf diesem Weg sehr geholfen hat.

  1. Akzeptiere deinen Charakter.

Wärest du gerne schlagfertig, bist es aber nicht? Oder würdest du gerne Witze aufreißen und Menschen zum Lachen bringen, bist aber eher introvertiert und still? Jede von uns hat Charaktereigenschaften, von denen wir nicht begeistern sind und die wir am besten loswerden würden. Für dein Wohlergehen und deine Selbstentfaltung ist es jedoch essenziell, auch diese Teile deines  Selbst anzunehmen. Lerne sie zu akzeptieren, mach auch für sie Platz in deinem liebeerfüllten Herzen, denn sie gehören zu dir. Wenn du sie abstößt, wirst du nie in der Lage sein, in deine volle Power zu kommen, weil diese von dir abgestoßenen Teile dich innerlich fesseln werden. Außerdem hast du ja genug andere Sachen, die du als positiv wahrnimmst. Konzentriere dich darauf. Stelle deine Stärken in Vordergrund.

Comparing yourself to others is an act of violence against your authentic self ©Iyanla Vanzant

Und bitte, versuche NIE wie jemand anders zu sein! Diesen Fehler habe ich selbst schon begangen.  Das ist wirklich einer der schädlichsten Sachen, nach denen du streben kannst, weil:
1) das dir unheimlich viel Kraft und Energie rauben wird
2) du sowieso nie so sein wirst, wie diese andere Person (nicht, weil du nicht zielstrebig oder ehrgeizig genug bist, sondern weil du schlicht und einfach DU bist)
3) du im Zuge dieser  sinnlosen Jagd deine eigenen Stärken vernachlässigen und dich selbst somit davon abhalten wirst, in deine volle Kraft zu kommen und die Welt mit deinem authentischen und wundervollen Selbst zu bereichern.

Also kenne dich selbst und akzeptiere dein Wesen. Fokussiere dich auf deine Stärken, überwinde deine Ängste und komme in deine Kraft.

  1. Akzeptiere deine Fehler.

Hast du schon mal etwas einer anderen Person gesagt, was du dann später tiefst bereut hast? Oder vielleicht hast du etwas gemacht, was nicht im Einklang mit deinen Werten steht? Ganz wichtig ist es in solchen Situationen dich selbst mit Liebe, Verständnis und Respekt zu behandeln. Bleib deine beste Freundin. Verfalle nicht in Kritik und Selbsthass. Das raubt dir deine Energie, deine Kraft, verdirbt deine Laune, beeinflusst womöglich deine Mitmenschen und – trotz all dem Tadel – sie bringt dir absolut nichts, also nichts Gutes.

“Renew, release, let go. Yesterday’s gone. There’s nothing you can do to bring it back. You can’t “should’ve” done something. You can only DO something. Renew yourself. Release that attachment. Today is a new day!”  ©Steve Maraboli

Wenn du etwas getan hast, was du im Nachhinein bereust, dann ist der beste Weg tief in dich hineinzuschauen, Gründe für dein Verhalten herauszufinden und daraus  Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. Du kannst dich dabei auf die folgenden Fragen stützen:

-WARUM habe ist es getan? (Welche Bedürfnisse wollte ich mir dadurch erfüllen? Was wollte ich dadurch erreichen? Welche äußeren Faktoren oder ältere Geschehnisse haben mein Verhalten beeinflusst?)
– WAS lerne ich jetzt daraus?
– WIE hätte ich das anders machen können/ WIE werde ich eine ähnliche Situation in der Zukunft meistern?
-evnt. WIE kann ich die momentane Situation verbessern/das entstandene Schaden minimieren?

Nachdem du die Situation auf diese Art und Weise für dich verarbeitet hast, nimm das, was du daraus gelernt hast mit, bedanke dich für die wertvolle Erfahrung – auch wenn du einen hohen Preis dafür bezahlen musstest – and move on! Das Leben geht weiter.

Radikale Selbstakzeptanz ist befreiend. Lass sie in dein Leben rein.

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Bildquelle: Viktoria FiLov

Warum ich meine Waage losgeworden bin

Hier ist die bittere Wahrheit: Die Waage hat mein Leben 10 Jahre lang bestimmt und beeinflusst. Jeden Tag musste ich mein Gewicht kontrollieren, am besten morgens und abends. Es gab sogar Phasen, an denen ich viermal am Tag auf die Waage stieg.

– 100 Gramm auf der Waage und mein Tag hat mit einem Lächeln angefangen.
– 400 Gramm und ich war richtig beflügelt!
+ 100 Gramm: „Hmm, der gestrige Tag war leider nicht so erfolgreich.“
+ 400 Gramm: „Heute muss ich das unbedingt loswerden. Joggen? Eine Trinkdiät machen? Beides!“
+ 900 Gramm: „Du bist absolut wertlos und verdienst eine Bestrafung.“

The scales can only tell you what you weigh; NOT who you are.               © Steve Maraboli

Diese Zahlen haben bestimmt, wie ich in den Tag startete, wie ich mich fühlte, was ich über mich dachte, was ich aß und wie viel Sport ich machte. Die Waage diktierte, ob ich mich belohnen oder bestrafen sollte. Die Waage war im Grunde genommen eine der Hauptbestimmer meines Wertes.

Und warum hatte sie so viel Macht über mein Leben? Ganz einfach: Weil ich ihr diese Macht gegeben habe. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, stelle ich mit Schmerz fest, wie miserabel mein Leben war bzw. wie miserabel ich mein Leben gemacht habe.

Anstatt also achtsam mit mir selbst umzugehen, auf meinen eigenen Körper zu hören und ihn wirklich zu fühlen, ließ ich zu, dass zufällige Zahlen meinen Wert und meinen Umgang mit meinem Körper bestimmten.

Jetzt ist meine Waage im Keller und ich kann nur eins sagen: Was für eine Befreiung! Ich habe die freiwillig und vor vielen Jahren abgegebene Macht endlich zurückerlangt.

Jetzt lehne ich es ab, meine Laune und meinen Wert von einem elektronischen Gerät abhängig machen zu lassen. Ich möchte in Verbindung mit meinem eigenen Körper sein und auf sein Wohlergehen achten, anstatt ihn als ein fremdes, minderwertiges Objekt zu behandeln. Ich beschließe, dass mein Körper mir wichtiger ist, als willkürliche Zahlen. Ich erkenn an, dass mein Gewicht nicht meinen Wert als Person definiert. Ich entscheide mich bewusst für Achtsamkeit, Liebe und Fürsorge.

Wofür entscheidest du dich?

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Bildquelle: pixabay.com

Du isst, was du bist

Nein, ich habe hier keinen Fehler gemacht.  Ich meinte das wirklich so.

Klar, beeinflusst deine Ernährung dein Wohlergehen, dein Energieniveau und möglicherweise(!) auch dein Gewicht. Und gleichzeitig beeinflusst dein Selbstwertgefühl sowie dein Verhältnis zu dir selbst und zu deinem Körper deine Lebensmittelauswahl und deine Essgewohnheiten.

  •  Wenn du regelmäßig die Hungersignale deines Körpers ignorierst, respektierst du dich dann noch selbst?
  • Wenn du auf die Hungersignale deines Körpers damit antwortest, dass du das erste, was du siehst, in dich hineinwirfst, bist du dir selbst dann noch wichtig?
  • Wenn du dich regelmäßig vollstopfst, gehst du liebevoll mit dir selbst um?
  • Wenn du  dir bestimmte Lebensmittel nicht erlaubst und deine Sehnsüchte mithilfe von Willensstärke zu bekämpfen versuchst, unterdrückst du auch deine Gefühle und all die Signale, die dir dein Körper sendet?
  • Wenn du dich monoton und unausgeglichen ernährst, fehlen dir auch im Leben bunte Farben?
  • Wenn du dein Essen schnell herunterschluckst, ohne es zu genießen, nimmst du dir im Alltag Zeit für DICH?

Wenn du deinen Körper missachtest, kannst du die innere Harmonie nicht finden – denn wenn der Körper in Harmonie ist, hilft er dir, die innere Harmonie zu erreichen. © Osho

Denke einen Moment drüber nach.

Ich bin überzeugt, dass unser Verhältnis zu dem Essen auch unser Verhältnis zu uns selbst widerspiegelt.

Eine selbstbewusste Frau, die im Einklang mit sich selbst und mit der Welt lebt, die ihren Gefühlen Raum gibt, anstatt diese zu unterdrücken, die ihren Schmerz würdigt und ihre tiefen Wunden heilt, die auf Signale ihres Körpers achtet und ihr Leben nach ihrem eigenen Geschmack gestaltet, wird auch ein liebevolles Verhältnis zu dem Essen haben.

Und umgekehrt, wenn eine Frau sich selbst nicht liebt und nicht genügend wertschätzt, dann wird sie sich auch nicht um die Nahrung kümmern, die sie ihrem Körper zur Verfügung stellt.

Das ist ein Teufelskreis. Die Nahrung beeinflusst unser Wohlgefühl, aber auch unsere innere Haltung beeinflusst unsere Essgewohnheiten.

Aus diesem Grund ist es wichtig bei jeglichen Essproblemen nicht nur an diesen Problemen direkt zu arbeiten, sondern sich auch mit dem inneren Kern intensiv zu beschäftigen.

*inspiriert von Marc David

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Bildquelle: gratisography.com

Ich darf es, keine Kinder haben zu wollen

Vor einigen Monaten kam mir ein erleuchtender Gedanke: Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt Kinder haben will. Erleuchtend war dieser Gedanke aus dem Grund, weil ich immer gesagt habe, dass ich Zwillinge haben wollte (tja, das aber auch eher aus pragmatischen Gründen). Und seit kurzem wurde mir klar: Diesen tiefen, inneren Wunsch habe ich gar nicht und ich hatte den auch nie wirklich. Ich habe Zwillinge gesagt, weil ich aus der Option „welche Kinder/wie viele Kinder“ gewählt habe. Die Option „gar keine Kinder zu haben“ war in meinem Kopf gar nicht vorhanden.

Denn als Frau bekommt man schon als Kind eine klare Botschaft vermittelt: Deine wahre Selbstverwirklichung und dein höchstes Glück liegen darin, eine Familie zu Gründen und Kinder großzuziehen. Und wenn eine Frau keine Kinder hat, wird sie von allen bemitleidet, oder kritisiert, oder sogar beschämt, selbst oder vor allem auch wenn sie diese Entscheidung bewusst für sich getroffen hat.

Einige schütteln dann mit dem Kopf und nennen sie „ein armes Wesen“, weil sie ja auf die angeblich schönste und wichtigste Seite des Frauseins verzichtet hat. Die anderen nennen sie egoistisch und beschimpfen sie dafür, dass sie selbstbewusst und kompromisslos ihren eigenen Weg beschreitet.  Die Gesellschaft kommt damit nicht zurecht. Sie ist doch eine Frau, also soll sie auch ihre Funktion als Mutter bitte erfüllen, sonst ist sie keine richtige Frau, kein respektwürdiger Mensch.

So ein Bullshit.

Frausein ist nicht gleich Muttersein. Das sind zwei voneinander trennbare Kategorien. Als Frauen können wir uns dafür entscheiden, unsere beinahe magische Gabe zu nutzen, um ein neues Leben in die Welt zu bringen. Genauso legitim ist aber auch die Entscheidung, diese Möglichkeit nicht zu nutzen und damit das eigene Leben ohne Kinder zu gestalten.

“I believe that a woman’s value should never be determined by whether or not she has a child because that strips her of her entire identity as an adult under herself.”  ©Christen Reighter [1]

Muttersein ist lediglich eine der zahlreichen Facetten des Lebens, die wir sowohl annehmen und ausleben als auch ablehnen können. Das ist keineswegs unsere oberste Funktion, die unseren Wert als Mensch definiert.

Keine Kinder zu haben, ein Kind zu haben, fünf Kinder zu haben, zu Hause mit Kindern zu bleiben oder die Mutterschaft mit der beruflichen Selbstverwirklichung zu verbinden – alles ist in Ordnung, solange wir uns dafür entschieden haben und mit unserer Entscheidung zufrieden sind.

Wichtig ist, dass wir all unsere Entscheidungen so treffen, wie wir sie für richtig halten, anstatt uns den gesellschaftlichen Normen zu unterwerfen, die uns in Ketten legen und auf Dauer unglücklich machen.

Was aber auch extrem wichtig ist, dass wir uns auch für die Entscheidungen anderer Frauen einsetzen, selbst wenn diese unserem Weltbild ziemlich fremd sind.  Denn wir Frauen stehen unter viel Druck und müssen regelmäßig gegen Ungerechtigkeit ankämpfen, was sehr kräftezehrend ist. Wenn wir zusätzlich noch gegeneinander  spielen würden, werden wir uns gegenseitig schwächen. Lasst uns also einander den Rücken stärken! Wenn möglich, durch Taten, und bei jeder Gelegenheit – durch innere Akzeptanz und verbale Unterstützung.

Wir brauchen einander.

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Bildquelle: pixabay.com

[1] https://www.youtube.com/watch?v=h4GEMYsrJ-Y

 

Arbeite zusammen MIT deinem Körper und nicht gegen ihn

Du und dein Körper –  ihr seid ein Team. Wenn einer den anderen nicht unterstützt, ist Scheitern angesagt. Dein Körper ist die wundervolle Hülle für all das, was dich als Person ausmacht.  Dein Körper ist die Schatzkiste, wo all deine Wünsche, Träume, Sehnsüchte, Fähigkeiten, Talente und Stärken einen Platz finden. Dein Körper ist der Motor, der dich durch das Leben trägt und dich immer weiter nach vorne bringt.  Dein Körper ermöglicht dir das Essenziellste überhaupt, nämlich zu leben.

Denk drüber nach.

Wenn dein Körper zum absoluten Stillstand kommt, dann kommt auch dein Leben zum Stillstand.  Wenn sich dein Körper in der Agonie der Schmerzen befindet, dann blendet das alles andere in deinem Leben aus. Und wenn sich dein Körper nach Ausruhen und Stille sehnt, fällt es dir unheimlich schwer, deinen Geist zu nähren und deine Kreativität auszuleben.

Das ist DEINE Aufgabe, dich um deinen Körper zu kümmern und ihn zu unterstützen. Höre ganz genau hin: Was sagt er dir? Was braucht er? Was fehlt ihm? Wie kannst du ihm etwas Gutes tun? Was genießt er wirklich und was tut er nur dir zuliebe?

Ich habe jahrelang einen bitteren Krieg gegen meinen eigenen Körper geführt.

Ich habe ihn unterernährt.

Ich ließ ihn wieder und wieder an den reißenden Schmerzen meiner Fressattacken leiden.

Ich fasste ihn lieblos an und beschämte ihn dafür, wie er aussah.

Ich quälte ihn mit allzu viel Sport und ignorierte jegliche Schmerzsignale, die er mir sendete.

Ich hasste ihn dafür, dass er ab und zu mal mehr Schlaf brauchte, als die von mir bestimmten sechs Stunden.

Ich war meinem Körper keine Alliierte, sondern ein Feind. Ich verriet ihn. Ich verdammte ihn. Ich kämpfte unermüdlich gegen ihn.

Und trotz allem blieb er mir treu und machte alles für mich, was er nur konnte. ALLES.

Als ich das endlich mal realisierte, fühle ich unendlich viel Schmerz und eine tiefe Schuld. Diese mit Hass erfüllten Jahre rissen eine tiefe Kluft zwischen mir und meinem Körper. Ich wusste nicht mehr, wer er war und was ihm gut tat. Er war ein Fremder, der mir Zuflucht anbot und dem ich für seine Gastfreundschaft und Fürsorge mit Feindseligkeit antwortete. Wir mussten uns also neu kennenlernen. Und ich bat meinen Körper um Entschuldigung. Wirklich.

Jetzt sind wir ein Team und ich tue mein Bestes, um meinem Körper die Liebe und den Respekt zu geben, die ich ihm jahrelang vorenthalten habe. Die Versöhnung kommt nicht von heute auf morgen, es ist eher ein Prozess, aber ich bin glücklich, dass wir endlich mal zueinander gefunden haben.

Sei deinem Körper eine echte Freundin! Gib ihm Liebe, Respekt und Unterstützung, nach denen er sich so sehnt! Arbeite MIT ihm zusammen und nicht gegen ihn. Du wirst ganz schnell merken, was für einen Unterschied das macht. Zusammen und mit Liebe könnt ihr so viel mehr erreichen! Probiere das mal aus.

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Infos zum Beitragsbild:
Fotograf: Justus Holzberger (Website)
Model und Bildbearbeitung: Viktoria FiLov

Alle Schamlippen sind schön

Vor einiger Zeit habe ich in einem Online-Magazin unter der Rubrik “Gesundheit“ einen Artikel mit dem folgenden Titel gesehen: „Test: Sind deine Schamlippen normal oder zu groß?

Wenn ich solche Artikel sehe, kommt in mir Wut hoch. Als ob uns nicht genug gesagt wird, wie unsere Körper auszusehen haben. Jetzt wollen uns noch die Magazine freundlich zur Seite stehen, um uns dabei zu helfen festzustellen, ob unsere Schamlippen in das gesellschaftliche Konzept hinein passen oder ob sie doch zu groß (lies: hässlich) sind. Und leider haben in der Tat viele von uns Zweifeln und Hemmungen, wenn es um unsere Intimorgane geht.

Die im Jahr 2014 in Deutschland durchgeführte Befragung macht deutlich, wie tiefsitzend diese Komplexe bei Frauen sind:

  • 26% der befragten Frauen zwischen 16 und 64 Jahren gaben an, dass sie Ihren Schambereich als „nicht so schön“ wahrnehmen.
  • 23,1 % der Teilnehmerinnen hat ihre Vulva als „hässlich“ bezeichnet.
  • von den 106 Teilnehmerinnen hatten 9,6 % bereits eine Schamlippenkorrektur
  • 36,5 % denken über eine solche OP nach
  • und ACHTUNG: “lediglich bei 32,7 % der Frauen sind die inneren Schamlippen im Stehen vollständig von den äußeren Schamlippen verdeckt. Bei den übrigen 67,3 % Teilnehmerinnen ragen die inneren Schamlippen zwischen den äußeren hervor”. [1]

Die stetig steigenden Zahlen der Intimoperationen zeigen, dass Frauen sich öfter und öfter für die Schönheit (also künstlich konstruierte und aufgezwungene Schönheit!) unters Messer legen:

  • Im Jahr 2005, haben sich in Deutschland ca. 1.000 Frauen eine Schamlippenkorrektur machen lassen.
  • Im Jahr 2011 waren es schon 5.440 Frauen. [2]

Diese Zweifel sind eine Goldgrube für viele Schönheitschirurgen, weil sie diese für ihren eigenen Profit geschickt zu nutzen wissen. Laut Anna-Katharina Meßmer, die in dem Bereich ihre Doktorarbeit geschrieben hat, werben die Ärzte häufig für die OPs damit,

dass Partnerschaften aufgrund von zu großen Labien oder zu weiten Vaginen auseinandergehen könnten. Entweder weil der Sex nicht gut funktioniere, oder weil die Frau so unzufrieden mit sich selbst sei, dass sie sich deswegen nicht auf ihren Partner einlassen könne. Einzelne Ärzte boten auch an, die Vagina der Frau an die Gegebenheiten ihres Partners anzupassen. [3]

Die Akzeptanz und Liebe für den eigenen Körper beginnen als allererstes im eigenen Kopf und nicht auf dem OP-Tisch.

Bitte, was? ANZUPASSEN?!

Liebe Leserin, bitte liebe dich und deine Intimorgane so, wie sie sind!

Das, was man in Pornos und sonstigen pornografischen sowie erotischen Quellen zu sehen bekommt, ist ein sorgfältig ausgesuchtes und meistens auch retuschiertes Bild, das nur einen winzigen Teil unserer weiblichen Vielfalt darstellt.

Wenn du Lust auf faszinierende weibliche Diversität hast, geh auf https://www.thevulvagallery.com/ und schau dir die mit Liebe gemalten Vulven aller Formen, Farben und Größen an. Die Besitzerinnen der auf der Website dargestellten Vulven eilen auch ihre Geschichten über ihr Verhältnis zu ihren Geschlechtsorganen (auf Englisch).

Tauche also in die Welt der faszinierenden weiblichen Vielfalt ein und lass dich inspirieren.

Und denk daran, dass unsere Probleme oft unsere eigenen Kreationen sind. Wir haben bestimmte Eigenschafen u. Ä. zu Problemen gemacht und ihnen somit die Macht gegeben, unser Leben miserabel zu machen (wenn sich z. B. eine Frau auf ihren Partner nicht einlassen kann, weil sie ihren Körper nicht mag). Es liegt also auch in unserer Hand, diese „Probleme“ zu überdenken, sie als unsere eigene Schöpfung zu entlarven und somit  auch zu entmachten.

Hier kennst du einen Artikel von einer jungen Frau lesen, die sich für eine Schammlippenverkleinerung entschieden hat und den Eingriff heute bitter bereut. Ihre eigene Mutter sowie einige Männer in ihrem Leben haben ihr den Eindruck gegeben, als wäre sie unten drum nicht richtig und nicht schön gewesen. Als Folge ihrer abwertenden Kommentare entwickelte die junge Frau einen tief sitzenden Komplex, den sie mit Hilfe einer Schönheits-OP beheben wollte. Als sie aber auf dem OP-Tisch lag und ihr “die Flügelchen” weggemacht wurden, schoss ihr folgender Gedanke durch den Kopf : “Wofür mache ich den Mist hier eigentlich?“.

Und ja, das frage ich mich auch. Wofür machen wir den Mist eigentlich? Warum verschwenden wir unsere wertvolle Zeit damit, unsere eigenen Körper zu hassen und verändern zu wollen? Warum stecken wir ein Haufen Geld in Anti-Cellulite-Cremes, Schönheits-OPs oder Wimpernverlängerungen, anstatt sie in etwas wirklich Sinnvolles zu investieren?

Ich bin hier, um dir zu sagen, dass in den allermeisten Fällen solch eine OP absolut unnötig ist. Nur wenn deine Schamlippen dir ständig Schmerzen bereiten, könnte ein Eingriff eventuell sinvoll sein. Ansonsten…SETZE EIN ZEICHEN GEGEN DEN ALLGEGENWÄRTIGEN SCHÖNHEITSWAHN, DER UNS ALLE KLEIN HÄLT, UND LIEBE DICH SO, WIE DU BIST, DENN DU BIST EINZIGARTIG! <3

p.s.
Übrigens, weißt du, wie deine Vulva aussieht? Hast du sie schon mal im Spiegel betrachtet? Tue das mal 😉

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Bildquelle: gratisography.com

[1] Umfrageergebnisse Intimbereich und Intimchirurgie

[2] Aktuelle Zahlen & Studien zur Intimchirurgie

[3] Warum Frauen untenrum aussehen wollen wie “Brötchen”

Schönheit liegt in der Vielfalt

Dieses Bild habe ich vor einer Woche  gemacht und ich nenne es mein Empowerment-Bild. Warum Empowerment-Bild? Weil ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Bild von meinem Gesicht im Profil machte.  Meine Nase war viele Jahre einer der größten Probleme, die ich mit meinem Körper hatte. Wie viele Tränen habe ich deswegen vergossen und wie viel Zeit mit den Träumen von einer Nasen-OP verschwendet!

  • Ich weiß noch ganz genau, wie ich mit 15 vor dem Spiegel stand, mir einen Finger auf die Nase so legte, dass er den Hubbel überdeckte. Ich betrachtete mich dann ganz lange im Spiegel und dachte, dass DAS die schöne Nase war und dass ich unbedingt so eine haben musste.
  • Wenn ich unterwegs war, bin ich nie ganz normal an einer Gruppe von Menschen vorbeigelaufen, die rechts oder links von mir waren. Ich habe meinen Kopf so gedreht, dass sie entweder mein Gesicht oder meinen Nacken sehen konnten, aber nicht meine Nase von der Seite!
  • Ich stellte mir damals ernsthaft die Frage, wie mich Jungs mit so einer Nase trotzdem mögen konnten. Das ging damals weit über mein Verständnis hinaus.

Ich möchte dich hier dafür inspirieren, dich selbst genauso zu akzeptieren, wie du bist: mit all deinen vermeintlichen Mankos, die in der Tat ja deine Besonderheiten sind. Sie machen dich zu der einzigartigen Frau, die du bist.  Sie sind ein Teil von dir. Sie gehören zu dir.

Als ich das erste Kompliment für meine Nase bekam (damals war ich schon 19), war ich absolut schockiert und konnte dem nicht glauben. Dies hat mich jedoch zum Nachdenken gebracht. Es dauerte dann aber noch einige Jahre sowie ein begeistertes Anfassen meiner Nase von einer taiwanesischen Frau bis ich dann endlich mal realisierte, dass Schönheit so viel mehr ist als das, was uns durch zahlreiche mediale Kanäle vermittelt wird. Denn mal ganz ehrlich, so eine Nase wird man nicht in einem Magazin oder in einem Werbespot sehen. Keine berühmte Sängerin, die auf der Bühne steht, besitzt so eine Nase. Und trotzdem ist meine Nase schön und einzigartig. Und sie gehört zu mir. Alleine das hätte für ich Grund genug sein sollen sie zu lieben.

Du willst doch deine Einzigartigkeit nicht in einem  Meer aus gleichen Nasen, Augenbrauen, Lippen und Brüsten verlieren, oder? Lasst uns unsere Besonderheiten feiern und diese auch bei den anderen zelebrieren. Lasst uns mit vibrierender und inspirierender Vielfalt umgeben, anstatt uns mit eintöniger Gleichheit nicht nur zu langweilen, sondern uns auch dafür bewusst in Gefahr zu bringen.

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Infos zum Beitragsbild:
Fotograf: Justus Holzberger (Website)
Model: Viktoria FiLov