Ich darf es, keine Kinder haben zu wollen

Vor einigen Monaten kam mir ein erleuchtender Gedanke: Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt Kinder haben will. Erleuchtend war dieser Gedanke aus dem Grund, weil ich immer gesagt habe, dass ich Zwillinge haben wollte (tja, das aber auch eher aus pragmatischen Gründen). Und seit kurzem wurde mir klar: Diesen tiefen, inneren Wunsch habe ich gar nicht und ich hatte den auch nie wirklich. Ich habe Zwillinge gesagt, weil ich aus der Option „welche Kinder/wie viele Kinder“ gewählt habe. Die Option „gar keine Kinder zu haben“ war in meinem Kopf gar nicht vorhanden.

Denn als Frau bekommt man schon als Kind eine klare Botschaft vermittelt: Deine wahre Selbstverwirklichung und dein höchstes Glück liegen darin, eine Familie zu Gründen und Kinder großzuziehen. Und wenn eine Frau keine Kinder hat, wird sie von allen bemitleidet, oder kritisiert, oder sogar beschämt, selbst oder vor allem auch wenn sie diese Entscheidung bewusst für sich getroffen hat.

Einige schütteln dann mit dem Kopf und nennen sie „ein armes Wesen“, weil sie ja auf die angeblich schönste und wichtigste Seite des Frauseins verzichtet hat. Die anderen nennen sie egoistisch und beschimpfen sie dafür, dass sie selbstbewusst und kompromisslos ihren eigenen Weg beschreitet.  Die Gesellschaft kommt damit nicht zurecht. Sie ist doch eine Frau, also soll sie auch ihre Funktion als Mutter bitte erfüllen, sonst ist sie keine richtige Frau, kein respektwürdiger Mensch.

So ein Bullshit.

Frausein ist nicht gleich Muttersein. Das sind zwei voneinander trennbare Kategorien. Als Frauen können wir uns dafür entscheiden, unsere beinahe magische Gabe zu nutzen, um ein neues Leben in die Welt zu bringen. Genauso legitim ist aber auch die Entscheidung, diese Möglichkeit nicht zu nutzen und damit das eigene Leben ohne Kinder zu gestalten.

“I believe that a woman’s value should never be determined by whether or not she has a child because that strips her of her entire identity as an adult under herself.“  ©Christen Reighter [1]

Muttersein ist lediglich eine der zahlreichen Facetten des Lebens, die wir sowohl annehmen und ausleben als auch ablehnen können. Das ist keineswegs unsere oberste Funktion, die unseren Wert als Mensch definiert.

Keine Kinder zu haben, ein Kind zu haben, fünf Kinder zu haben, zu Hause mit Kindern zu bleiben oder die Mutterschaft mit der beruflichen Selbstverwirklichung zu verbinden – alles ist in Ordnung, solange wir uns dafür entschieden haben und mit unserer Entscheidung zufrieden sind.

Wichtig ist, dass wir all unsere Entscheidungen so treffen, wie wir sie für richtig halten, anstatt uns den gesellschaftlichen Normen zu unterwerfen, die uns in Ketten legen und auf Dauer unglücklich machen.

Was aber auch extrem wichtig ist, dass wir uns auch für die Entscheidungen anderer Frauen einsetzen, selbst wenn diese unserem Weltbild ziemlich fremd sind.  Denn wir Frauen stehen unter viel Druck und müssen regelmäßig gegen Ungerechtigkeit ankämpfen, was sehr kräftezehrend ist. Wenn wir zusätzlich noch gegeneinander  spielen würden, werden wir uns gegenseitig schwächen. Lasst uns also einander den Rücken stärken! Wenn möglich, durch Taten, und bei jeder Gelegenheit – durch innere Akzeptanz und verbale Unterstützung.

Wir brauchen einander.

[1] https://www.youtube.com/watch?v=h4GEMYsrJ-Y

 

Du isst, was du bist
Arbeite zusammen MIT deinem Körper und nicht gegen ihn

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