3 Schritte zu radikaler Selbstakzeptanz

Ich sehe radikale Selbstakzeptanz als den Hauptteil der radikalen Selbstliebe. Da ich aber der Meinung bin, dass das Konzept der Selbstliebe etwas überfordernd oder sogar frustrierend sein kann – vor allem für die Anfängerinnen unter uns –, möchte ich mich heute auf Selbstakzeptanz konzentrieren.

Radikale Selbstakzeptanz bedeutet, dass du dich genau so annimmst, wie du bist: mit all deinen Stärken und Schwächen, mit all deinen Macken und Verrücktheiten, mit all deinen Träumen, Wünschen, Ängsten, begehenden Fehlern, Misserfolgen sowie möglichen Traumata.  Was ich damit NICHT meine, ist dass du mit dem Satz: „So bin ich halt! So ist es halt!„ durch das Leben läufst und keine Verantwortung weder für dein Handeln oder deine Emotionen noch für dein Leben übernimmst. Nein. Selbstakzeptanz hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun. Sie ist auch kein Nährboden für deine Ausreden. Sich selbst radikal zu akzeptieren heißt, sich selbst wirklich zu kennen, sich zu 100% anzunehmen und gleichzeitig daran zu arbeiten, das Beste aus dir selbst und aus deinem Leben zu machen.

Was gibt es also zu akzeptieren?

  1. Akzeptiere deinen Körper und dein Aussehen.

Arbeite daran, Frieden mit deinem Spiegelbild zu schließen. Lerne es, dein Äußeres  ohne Kritik zu betrachten und dich wohl in deinem Körper zu fühlen. Sehne dich nicht danach, so wie eine andere Frau auszusehen, sondern verstehe, dass Schönheit in der Vielfalt liegt

“Everybody has a part of her body that she doesn’t like, but I’ve stopped complaining about mine because I don’t want to critique nature’s handiwork … My job is simply to allow the light to shine out of the masterpiece” ©Alfre Woodard

ABER: Setz dich nicht unter Druck! Manchmal ist es so, dass man trotz der konsequenten inneren Arbeit, die man leistet, immer noch einen Körperteil einfach nicht mag oder nicht schön findet. Es ist okay. Das musst du nicht. Du musst dich nicht dazu zwingen, einen deiner Körperteile schön zu finden, wenn es dir schwer fällt.

Es reicht schon, wenn du diese Körperteile akzeptierst und ihnen entgegen einfach neutral gesinnt bist: keine große Liebe, aber auch kein Hass. Sie sind ein nicht wegzudenkender Teil von dir, sie machen dich ein Stückweit aus und sind dir wahrscheinlich auch von deinen Eltern oder Großeltern gegeben worden. Entscheide dich dafür, sie in deinem Leben willkommen zu heißen, Frieden mit ihnen zu schließen und ihnen dankbar dafür zu sein, was sie für dich Tag für Tag machen. Das würde ausreichen.

Ich habe übrigens kaum einen Körperteil, den ich wirklich toll finde. Ich habe aber auch keinen, den ich absolut nicht ausstehen kann und dessen Aussehen mich runterzieht. Für mich fühlt es sich wunderbar an, denn noch vor ein paar Jahren war mein Verhältnis zu meinem Körper mit Hass und Frust erfüllt. Hier kannst du einen Tipp finden, der mir auf diesem Weg sehr geholfen hat.

  1. Akzeptiere deinen Charakter.

Wärest du gerne schlagfertig, bist es aber nicht? Oder würdest du gerne Witze aufreißen und Menschen zum Lachen bringen, bist aber eher introvertiert und still? Jede von uns hat Charaktereigenschaften, von denen wir nicht begeistern sind und die wir am besten loswerden würden. Für dein Wohlergehen und deine Selbstentfaltung ist es jedoch essenziell, auch diese Teile deines  Selbst anzunehmen. Lerne sie zu akzeptieren, mach auch für sie Platz in deinem liebeerfüllten Herzen, denn sie gehören zu dir. Wenn du sie abstößt, wirst du nie in der Lage sein, in deine volle Power zu kommen, weil diese von dir abgestoßenen Teile dich innerlich fesseln werden. Außerdem hast du ja genug andere Sachen, die du als positiv wahrnimmst. Konzentriere dich darauf. Stelle deine Stärken in Vordergrund.

Comparing yourself to others is an act of violence against your authentic self ©Iyanla Vanzant

Und bitte, versuche NIE wie jemand anders zu sein! Diesen Fehler habe ich selbst schon begangen.  Das ist wirklich einer der schädlichsten Sachen, nach denen du streben kannst, weil:
1) das dir unheimlich viel Kraft und Energie rauben wird
2) du sowieso nie so sein wirst, wie diese andere Person (nicht, weil du nicht zielstrebig oder ehrgeizig genug bist, sondern weil du schlicht und einfach DU bist)
3) du im Zuge dieser  sinnlosen Jagd deine eigenen Stärken vernachlässigen und dich selbst somit davon abhalten wirst, in deine volle Kraft zu kommen und die Welt mit deinem authentischen und wundervollen Selbst zu bereichern.

Also kenne dich selbst und akzeptiere dein Wesen. Fokussiere dich auf deine Stärken, überwinde deine Ängste und komme in deine Kraft.

  1. Akzeptiere deine Fehler.

Hast du schon mal etwas einer anderen Person gesagt, was du dann später tiefst bereut hast? Oder vielleicht hast du etwas gemacht, was nicht im Einklang mit deinen Werten steht? Ganz wichtig ist es in solchen Situationen dich selbst mit Liebe, Verständnis und Respekt zu behandeln. Bleib deine beste Freundin. Verfalle nicht in Kritik und Selbsthass. Das raubt dir deine Energie, deine Kraft, verdirbt deine Laune, beeinflusst womöglich deine Mitmenschen und – trotz all dem Tadel – sie bringt dir absolut nichts, also nichts Gutes.

“Renew, release, let go. Yesterday’s gone. There’s nothing you can do to bring it back. You can’t “should’ve” done something. You can only DO something. Renew yourself. Release that attachment. Today is a new day!”  ©Steve Maraboli

Wenn du etwas getan hast, was du im Nachhinein bereust, dann ist der beste Weg tief in dich hineinzuschauen, Gründe für dein Verhalten herauszufinden und daraus  Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. Du kannst dich dabei auf die folgenden Fragen stützen:

-WARUM habe ist es getan? (Welche Bedürfnisse wollte ich mir dadurch erfüllen? Was wollte ich dadurch erreichen? Welche äußeren Faktoren oder ältere Geschehnisse haben mein Verhalten beeinflusst?)
– WAS lerne ich jetzt daraus?
– WIE hätte ich das anders machen können/ WIE werde ich eine ähnliche Situation in der Zukunft meistern?
-evnt. WIE kann ich die momentane Situation verbessern/das entstandene Schaden minimieren?

Nachdem du die Situation auf diese Art und Weise für dich verarbeitet hast, nimm das, was du daraus gelernt hast mit, bedanke dich für die wertvolle Erfahrung – auch wenn du einen hohen Preis dafür bezahlen musstest – and move on! Das Leben geht weiter.

Radikale Selbstakzeptanz ist befreiend. Lass sie in dein Leben rein.

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Bildquelle: Viktoria FiLov

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10 comments

  1. Sehr wahr und sehr gut geschrieben.
    2. und 3. kriege ich gut hin – an 1. arbeite ich noch 🙂
    Vielen Dank für die guten Impulse aus diesem Artikel.

  2. Vielen Dank für den Artikel! Bei mir ist das große Thema Punkt 3: WAS lerne ich aus Situationen, die ich gerne Rückgängig machen würde und WIE hätte ich es anders machen können… und dann schütteln und weitermachen. Ich werde in diesem Jahr einmal versuchen, solche Situationen aufzuschreiben und auch das was und wie. Wenn ich sie dann “durchgearbeitet” habe und den Zettel wegschmeisse, hoffe ich, dass es auch aus meinem Kopf ist. Vielleicht folgt in diesem Jahr hier noch ein Artikel darüber, wie man das am Besten macht? Lg!

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Yvonne. Ich finde die Idee mit einem Blatt Papier sehr gut. So eine Auseinandersetzung hilft meistens sehr gut, das Geschehene bis in die Tiefe zu verarbeiten. Du kannst das gerne danach verbrennen, ich würde es dir jedoch empfehlen, die wichtigsten Lernpunkte bzw. Vorsätze irgendwo anders aufschreiben, damit du immer darauf zugreifen kannst. Das Wichtigste ist wirklich zu verstehen, was du DIR mit diesem Verhalten erfüllen wolltest. Oft sind das tiefe menschliche Bedürfnisse (z.B nach Zugehörigkeit, Anerkennung, Autonomie, Geborgenheit, Harmonie etc.), die wir uns jedoch auf so eine komische Art und Weise zu erfüllen versuchen. Wenn du die Gründe verstanden hast, wirst du in der Zukunft mit ähnlichen Situationen anders umgehen können.
      Und ja, vielleicht schriebe ich mal einen Artikel darüber 😉

  3. Danke für die tollen Anregungen. An einigen Punkte muss ich noch ein wenig arbeiten, aber mit deinen Tipps klappt es bestimmt.
    Danke! Vor allem die Unterscheidung zwischen Selbstliebe und Selbstakzeptanz hat mir sehr geholfen. Einfach kleine Schritte machen…

    Lieben Gruß | Barbara

  4. Liebe Viktoria, danke für den interessanten Artikel! Mich hat besonders der dritte Punkt angesprochen, in dem du über den Umgang mit eigenen Fehlern schreibst. In unserer Gesellschaft herrscht meiner Meinung nach keine positive Fehlerkultur! Jeder Mensch macht Fehler, und zu glauben, dass man keine macht, ist schon mal der erste Fehler:) Wie du schreibst, bieten Fehler eine hervorragende Chance, die Ursachen und Gründe für das Verhalten zu hinterfragen und daraus für die Zukunft zu lernen. Wenn das gelingt, dann ermöglicht uns die Erkenntnis von Fehlern, uns selbst positiv weiterzuentwickeln. Ich möchte noch einen Punkt ergänzen: Wenn Mitmenschen von unserem Fehler betroffen waren, zum Beispiel weil wir unsensibel ihnen gegenüber waren, sie nicht unterstützt haben etc, dann ist eine deutliche Entschuldigung für beide Seiten sehr hilfreich, natürlich gefolgt von einer Verhaltensänderung.
    Übrigens habe ich endlich auf deinen sehr interessanten Kommentar auf meinem Blog reagiert – ich entschuldige mich erstmal für meine sehr verspätete Reaktion:) Hier findest du die Antwort: http://www.pfauen-auge.de/2017/06/09/schoenheitsideal/
    Liebe Grüße,
    Amely

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