Annette

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Annette

Ich bin 50 Jahre alt und habe mich nie wirklich wohl in meinem Körper gefühlt, nie weiblich genug oder schön genug. Im Vergleich mit anderen Frauen, fand ich mich immer unattraktiv.

Dann konnte ich ab 2013 durch ein Schulter-Arm-Syndrom meine Berufung der Physiotherapie nicht mehr ausüben und bekam die Möglichkeit mich zur Heilpraktikerin ausbilden zu lassen. Solch ein Glücksfall für mich.

Doch durch die sehr anstrengende, für mich unheimlich stressige 2- jährige Ausbildung und vor allem die anspruchsvolle Prüfung, war mein Körper komplett überfordert.

Ich habe 2 Monate vor der Prüfung, innerhalb von 2 Wochen alle Haare verloren – ein Verlust, den ich sehr schnell annehmen musste.Es war eine Erschütterung, ein an mir Zweifeln, ein mich fragen, was bin ich jetzt noch für eine Frau? Nicht einmal mehr meine wunderschönen lange Haare sind für mein Mich- Weiblich-Fuhlen vorhanden.

Heute 1,5 Jahre später sehe ich, wie viel stärker, sichtbarer und offener ich durch meine Haarlosigkeit geworden bin.

Ich bewundere mich oft selbst für meinen Mut, denn die beiden Perücken, die ich besitze trage ich nicht.
Es fühlt sich als Maskerade an, sie zu tragen. Das bin dann nicht ich.

Ich fühle mich von meinem nahen Umfeld sehr an- und wahrgenommen.Haare, Figur oder andere Handycaps sind nicht meine Persönlichkeit.

Es gibt auch Tage, an denen es im Außen schwierige Momente gibt, ich mich durch die Blicke – vor allem von Frauen (was mich sehr entsetzt) – sehr verletzt fühle. Mich gerne zurückziehen möchte. Doch schon am nächsten Tag erlebe ich wunderbare Begegnungen, die mein Herz höher schlagen lassen.

Ich wünsche mir (und verändere dafür auch viel in meinem Leben) natürlich trotzdem, dass meine Haare wieder wachsen. Doch ich kann auch das Positive an meiner Glatze dankbar erkennen.