Was haben Botoxspritzen mit  Frauenunterdrückung zu tun

Das Private ist das Politische.

Jeden Tag haben wir die Wahl, was für Menschen wir sein wollen. Jeden Tag können wir uns entweder für Selbstliebe, Gerechtigkeit und unsere gemeinsame Ermächtigung entscheiden, oder still Selbstverachtung praktizieren und die Aufrechterhaltung des Unterdrückungssystems unterstützen.

Diese Wahl ist nicht immer einfach. Manchmal ist sie verdammt schwer, ABER nichtsdestotrotz ist sie nur uns überlassen. Und ich möchte dich dazu ermutigen, deine Wahl zu treffen. Wie es Brene Brown so wunderschön ausgedrückt hat: „choose courage over comfort“ (zu Deutsch: ziehe die Courage der Gemütlichkeit vor).

Wenn du z.B. die ersten Fältchen im Spiegel siehst, kann es enttäuschend sein, weil man damit automatisch das Altern verbindet, was den Verlust von Kraft und Energie symbolisiert. Für viele Frauen ist diese Angst jedoch sekundär. Denn als erstes fürchten viele von uns den Verlust unserer Schönheit, die gleichzeitig in einer engen Verbindung mit Verlust von Akzeptanz und Sexualität steht (oder zumindest wird es uns so suggeriert). Da also die Konsequenz von Schönheitsverlust so fürchterlich zu sein scheint, kommt ganz schnell der angeblich rettende Gedanke an Botox (oder was auch immer für Alternativen es heutzutage gibt).

“In a society that profits from your self-doubt, liking yourself is a rebellious act.” ©Caroline Caldwell

Die Aktion ist auf den ersten Blick einfach und geht eigentlich niemanden etwas an. Ich möchte aber behaupten, dass diese private und angeblich harmlose Handlung tiefgreifende Konsequenzen hat.

Denn wenn ich mir eine Botoxspritze verabreichen lasse, unterstütze ich damit die heutzutage boomende Schönheitsindustrie, die von unseren Unsicherheiten immens profitiert und somit daran interessiert ist, diese zu steigern und in sich zu stärken. Außerdem unterwerfe ich mich dadurch den frauenverachtenden Schönheitsidealen, die ausschließlich die jung aussehenden Frauen als schön und beachtenswert darstellen, und die generell Schönheit als die größte Macht und Tugend einer Frau vermarkten.

Wenn ich mich aber dagegen entscheide, dann entscheide ich mich gleichzeitig für die radikale Selbstliebe und die innere Wertschätzung. Und dies ist nicht nur ein privater Befreiungsakt, sondern ein politisches Statement. Damit lehne ich die Schönheitsideale ab, die Frauen dazu zwingen, sich hässlich und wertlos zu fühlen. Damit setze ich ein klares Zeichen gegen die boomende Schönheitsindustrie, die aus unseren künstlich erschaffenen Unsicherheiten Profit zieht. Damit sage ich nein dazu, dass mein Wert als Mensch von außen definiert wird. Und damit mache ich es auch für andere Frauen leichter, sich selbst zu akzeptieren und sich gegen den gesellschaftlichen Druck zu wehren.

Wofür entscheidest du dich?

p.s.

Schau die unbedingt die Bilder von der wunderbaren @saramaijewels, @baddiewinkle und @icconaccidental an, die ihr Altern nicht einfach akzeptieren, sondern es richtig feiern.

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Bildquelle: gratisography.com

 

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